Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 7.1862

Page: 309
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Ktransgcgrbrn und redigirt


Siebenter Jahrgang.

' von .

3. Oktober (>

/ M 40. i

Dr. Max Schasler,

1 1862.


5> Herausgeber des „Deutschen Kunst-Kalenders" in Berlin. --


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Inhalt:

Abhandclndcr Artikel. Zur akademischen Kunstausstellung.
II. Ist jedes Urtheil subjektiv?

Korrespondenzen: © Wien, am 30. Septbr. (Oesterreichischer

Knnstverein.)-s- Weimar, Ans. Septbr. (Ausstellung im

Logensaale. Forts.)— * London, den 10. Septbr. (Die
internationale Kunstausstellung.)

Kunstchronik: Verschiedene Lokalnachrichten aus Berlin.

Kunst-Kritik: Akademische Kunstausstellung. II. Malerei. (Forts.)
— Drei Geschichtsbilder. De Bicfve's „Kriegsrath", Les-
sing's „Kaisersarg", Schlösser's „Jungfrau von Orleans".

Knnstlitcratur und Album: I. Album: G. Bleibtreu „Die
Preußen vor Paris", „Die Siegesnacht von Belle Alliance".
Burchardt „Die kleine Passion von Albrecht Dürer".

Zur akademischen Knnstansstettilng.

H. Ist jedes Urtheil
subjektiv?

bgesehen von denjenigen Besu-
chern, welche, durch bloße Neu-
gierde oder ähnliche Motive in
die Ausstellung geführt, nur auf
solchen Bildern-ihre Blicke haf-
ten lassen, die ihnen eben ans
äußerlichen Gründen am niei-
sten in die Augen fallen, giebt
unter den Hunderten von
Besuchern nicht zwei, welche
die Ausstellung mit denselben
Augen betrachten, d. h. welche
bei ihrer Betrachtung von dem-
selben Princip der Beobachtung
ausgchcn. Mau kann zwar im Allgemeinen sagen, daß der

Laie mehr aus das Was (das Motiv), der Künstler mehr auf
das Wie (das Machwerk) der Darstellung achte, und
nur der Kritiker von Fach beide Faktoren der künstlerischen
Wirkung in gleiche Berücksichtigung nimmt. Allein dieser
allgemeine Gegensatz erschöpft die Zahl der Gesichtspunkte
keineswegs. Der Künstler wie der Laie fühlt sich, jener
nach der besonderen Richtung, die er selber verfolgt, dieser
nach der Eigenthüinlichkeit seines Geschmacks, verschieden
intercssirt, und durch dieses Interesse wird von vorn her-
ein die Aufmerksamkeit bestimmt, die jeder von ihnen den
einzelnen Werken widmet. In dieser Verschiedenheit des
Interesses liegt der Grund jener Subjektivität des Ur-
theils, welche bei Künstlern wie bei Laien stets stattfindet
und welche die Künstler, weil sie sich selber nicht frei da-
von fühlen, als eine allgemein nothwendige hinstellcn
mochten, indem sic so mit Leichtigkeit zu dem praktischen
Schluß kommen, jedes Urtheil sei subjektiv. Sie
gewinnen durch diese bequeme Schlnßfolge die angenehme
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