Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 7.1862

Page: 381
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dioskuren1862/0397
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Deutsche Kunst-Zeitung.

Hauptorgan der Dnüschen Knnstmreme.

Hrransgegrdkli und rrdigirt


vi-. Max Schasler,

Herausgeber des „Deutschen Kunst« Kalenders" in Berlin.


7. Dezember

1862.

o-

=o

Abonnementsbcdingungen.

Die TioSIuren" erscheinen wöchentlich (Sonntags) in I—Bogen 4to II l. Fjjr Deutschland sammtliche poliangaNen, Luch- und Annlthundlungin
,um Abonnementsvreisc von iz Thlr. pränumerando pro Quartal. — Preis 2. Für Großbritanie», Amerika und Australien B. Lender's Buch-

einer einzelnen Nuntmer 4 Sgr. ohne Kunstbeilage. — Bestellungen nehmen Handlung und Gcneral-Zeitungs-Agentur in Conton, 8, Little Newport-strcot
auiet der „Eroedilion der Bioslluren" an: j Leiccstcr-sci.

Redaetionsbureau Victoi-iastrassc Nro. S9 a.

Inbalt:

Abhandclndcr Jlrtifcl: Raphael's „Schule von Athen". (Forts.) Knnstinstitntc und Kunstllercine: Wissenschaftlicher Kunstverein
Kunstchronik: Verschiedene Lokalnachrichten aus Berlin, Bonn, in Berlin. — Kgl. Akademie d. Künste in Berlin — Thü-

Köln, Miinchen, Weil, Toggenburg, Wien, Turin, Granada. j ringer Kunstvcrein. — Genossenschaft der bildenden Künstler

Kunst-Kritik: Akademische Kunst Ausstellung. II. Malerei. (Forts.) I Wiens. — Briefkasten.

Raphael's „Schule voll Athen".

(Fortsetzung.)

Sei cs also, daß wir Eratosthcnes und Ptolemäus
oder Ptolemäus und den spanischen König Alphons vor
vor uns haben, so stehen beide wie alte, aus dem Tode
in's Leben zurückgekehrte Bekannte einander gegenüber, in-
dem der Aeltere vom Jüngern Auskunft über seine neuen
Entdeckungen in der Weltknnde zu erhalten wünscht. Aber
zwei Männer aus der neueren Zeit haben ihre Unterhal-
tung mit angehört und darüber einige Aeußerungcn fallen
lassen, so daß sich der Kronenträger verwundert nach ihnen
umsteht. Es sind Regiomontanus *) und sein Lehrer
Peurbach**), die größesten Astronomen des Mittelalters,
welchen wir außer anderen Leistungen auch einen Auszug
ans dem Almagest des Ptolemäus verdanken. Bon ihnen
hat Ptolemäus für seinen Ruhm und für die Haltbarkeit
seines Systems nichts zu fürchten, weil vor dem Papste,
als Oberhaupte der christlichen Kirche, in desien Macht

*) Eigentlich genannt Johann Müller, aus dem Städtchen
Königsberg unweit Würzburg.

**) oder Purbach in Wien

die Entscheidung über Lehren der Astronomie wie über
Glaubensartikel steht, ihre Ansichten für rechtgläubig gel-
ten; ja Regioniontanus hat die Ehre, vom Papste nach
Rom berufen zn werden, um ihm zur Verbesserung des
Kalenders seinen Rath zu crtheilen und, nachdem er zur
Belohnung dafür Bischof von Regensburg geworden, nach
seinem bald darauf erfolgten Tode im Pantheon zu Rom
begrabe» zu werden (1476). Aber wie hätte» jene alten
Sternkundigen staunen müssen, wenn sic horten, daß schon
24 Jahre nach dem Tode des Regioniontanus (1500) so-
gar in Rom ein Mathematiker, Namens KopernikuS
(1473—1543), auftrete» würde, größer als Rcgiomontanus,
welcher offenbar damit umging, die von der römischen Kurie
für unfehlbar erklärte ptoleniäische Wcltordnung zu stürzen,
und diese Idee durch die größere Hälfte seines Lebens, also
schon vor dein Jahre 1508, mit unermüdeter Sorgfalt
verfolgte! Daß Raphael, als er 1508-1511 im Vatican
die vier berühmten Wandgemälde ausführte, etwas der
Art vernommen haben mußte, was von dem Thorner Astro-
loading ...