Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 7.1862

Page: 389
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Inhalt:

Abhandclnder Artikel: Raphael's „Schule von Athen". (Forts.)
Kunstchronik: Verschiedene Lokalnachrichten aus Berlin, Weimar,
Dresden, Jnfpruck, Paris, Athen.

Kunst-Kritik: Akademische Knnft-Ausstellnng. II. Malerei. (Forts.)
Kunstliteratur ». Album: A. Krctzschmer, Die Trachten der l

Völker. — Dr. W. Henke, Die Gruppe des Laokoon. —
E. Zoller, Leopold Robert. — M. B. Lindau, Dres-
dener Galcriebnch. — Dr. E. Guhl, Vortrage und Reden
kunsthistorischcn Inhalts. — II. Albnnl: S t o r ch n. K r a m c r ,
Oeldrncke. — Briefkasten.

Raphacl's „Schule von Athen".

(Fortsetzung.)

Es ist nicht zu leugnen, daß zwischen Plato und Ari-
stoteles in wissenschaftlicher Hinsicht ein Gegensatz besteht
und darauf sich der Streit der von ihnen gestifteten Schulen,
der akademischen und peripatetischen, gründet. Während
nämlich Plato sich im Reiche der Ideen bewegt, macht
Aristoteles die wirkliche Welt") zum Gegenstände seiner Un- *)

*) Diesen Gegensatz, wie überhaupt die ganze folgende Cha-
rakteristik Platos und Aristoteles', können wir, wenigstens >vas
den lctztern betrifft, nicht unterschreiben. Wenn irgend ein Phi-
losoph jemals das Wesen und überhaupt den Begriff der Dinge
und des ganzen, geistigen ivie materiellen, Universums, zuni Ge-
genstände tiefster philosophischer Forschung gemacht hat, so war
cs Aristoteles. Es bedarf nur eines Blickes in seine Meta-
physik {/xtiä cpvatxü, diesen Ausdruck nicht blos in lokaler, son-
dern in begrifflicher Bedeutung genommen: „was hinter der Na-
tur liegt", d. h. das unsinnlich- Wesen, also der Begriff), um
den unendlich tieferen und zugleich klareren Einblick, den Aristo-
teles im Gegensatz zu Plato in das Reich der Ideen gethan, zu

tersuchungen. Jener will den Ursprung aller Dinge im
Großen und Ganzen ergründen, dieser die Beschaffenheit
jedes Einzelwesens genau erkennen; Jener hält das In-
dividuum nur insofern der Beachtung werth, als er in
ihm die wesentlichen Merkmale des Allgemeinen ausgeprägt
findet, dieser spricht den allgemeinen Begriffen alle Wesen-
heit ab (!) und läßt solche vermeintliche Abstraktionen als
bloßen Rothbehelf des ordnenden Vorstandes gelten; Jenem
ist die Welt und jeder Theil derselben ein x6afiogt in-
dem er darin eine zur Einheit harmonisch verbundene
Mannigfaltigkeit sieht; Dieser möchte in seinen sondernden
und auflösenden (?) Manipulationen rastlos soweit Vordringen,

erkennen. Der Verlasser faßt den Aristoteles etwa so auf, ivie
die Aristoteliken des Mittelalters, lvclche meist nur das Aenßer-
lichc seiner Philosophie, die Kategorienlehre, kannten und darin
das Wesen der Aristotelischen Philosophie zu finden glaubten,
während sie die spekulative Seite seiner Philosophie ignorirten
oder nicht begriffen. D. Red.
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