Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 7.1862

Page: 358
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biege licnt Kolorit, bei der ich nur wünschen möchte, einen
Kommentar sowohl über den Darsteller wie über die ein-
zelnen dargestellten Personen zu erhalten.

Grade Das, worin die Italiener nie etwas Großes ge-
leistet haben, nämlich die Darstellung ihrer eignen land-
schaftlichen Natur, ist die stärkste Seite der hier vorhande-
nen, wahrscheinlich auch aller schweizer Maler, die im
Allgemeinen mehr den lieblichen Charakter als die Groß-
artigkeit und wilde Zerrissenheit ihrer Alpen zum Gegen-
stände gewählt haben. Didah's Bilder zeigen eine große
Verschiedenheit der Behandlung, Calame (sein Schüler)
ist leider nur durch ein mäßiges Bild „Plateau auf dem
Rigi" und Koller in Zürich gar nicht vertreten, so daß
ich aus diesem Fache nur Louis Mennett's (in Genf)
„Sturm auf dem Bierwalderstädtersee" als das bedeutendste
anzuführen habe. Was sonst noch von ihnen geschaffen
ist, beschränkt sich auf einige hübsche Seenen des dortigen
Volkslebens.

Ganz anders wiederum Spanie n. Von der Darstel-
lung ihrer heimischen Natur wissen sie eben so wenig wie
die Italiener; nur die interessante Seite ihrer mittelalter-
lichen Bauwerke wissen sie aufzufafsen. Daneben finden
sich aber auch einige interessante Bilder, deren Schöpfer
ein tieferes Studium der Glanzperiode ihrer Malerei ver-
rathen. Dahin gehören Louis Madrazo's (Sohn des
1859 verstorbenen Don Jose y Agudo M.) „Beisetzung
der heil. Cacilia", Manzano's „Ferdinand und Jsabella"
und vor allen Antonie Gisbert's „Hinrichtung von
Padilla, Bruno und Maldonaldo" und sein „Tod des
Don Carlos." — Soll ich endlich noch ein Wort über die
Russen hinzufügen, welche verhältnißmäßia eine nicht kleine
Zahl von Bildern ausgestestellt haben, so kann ich die Be-
merkung nicht unterdrücken, daß da, wo sie ohne Einfluß
früherer Kunstepochen und ohne Anschluß au deutsche Künst-
ler schaffen, sich besonders in den Schilderungen ihres
Volkslebens ein Mangel an Harmonie des Kolorits, eine
oft geschmacklose Farbengebung kund gibt. Es fehlt ihnen
hierin noch dergestalt an Schule und Geschmack, daß man
sieht, wie sie ohne akademische Vorbildung in Deutschland
oder Frankreich schwerlich zu etwas künstlerisch Bedeuten-
dem kommen werden. Solche Leistungen, wie Theodor
Brunn's „Christus in Gethsemane", der in Rußland un-
zählige Male kopirt sein soll und nur eine schwache Nach-
ahmung Annib. Caraeci's ist, und Jwanoff's „Christus
als Gärtner" sind noch keinesweges geeignet, die Kunst
auf russischem Boden heimisch zu machen; dazu gehören
ganz andere Vorbedingungen, deren Verwirklichung von
der nächsten Zukunft noch nicht zu erwarten steht.

Und hiermit nehme ich von der Ausstellung Abschied.

K. Berlin, 14. November. (Ein neues Kunst-
journal.) Es ist uns ein aus „Cassel" datirter Pro-
spekt zugekommen, welcher den „Entwurf zu einem Or-
gan enthält, „dessen Aufgabe es sein soll, unter Beiseite-

lassung aller selbstständigen (!) Kritik, in vollem Maaße
alle rein geschäftlichen Interessen der deutschen Kunstwelt
zu vertreten und als Centralpunkt des geschäftlichen
Verkehrs für die Kunstvereine und Künstler zu
dienen." Der Prospekt ist unterzeichnet mit „die Redaetion"
ohne Angabe von Namen. Wir haben indeß Grund zu
der Annahme, daß diese Redaetion mit der der ehemali-
gen „Blätter für bildende Kunst", des Organs des „Ver-
eins für bildende Kunst", identisch ist. Der Ausdruck
„unter Beiseitelassung aller selbstständigen Kritik" läßt
es zweifelhaft, ob das Blatt jede Kritik ausschließen oder
vielleicht nur der unselbstständigen Raum gewähren
wolle. Zn letzterer Annahme berechtigt der Schluß des
Prospekts, welcher ausdrücklich die Mittheilung von Auf-
sätzen anerkannter Autoritäten, unter regelmäßiger An-
gabe der Quelle, sei es vollständig, sei es aus-
zugsweise," d. h. also Abschreiben aus anderen
Blättern, in Aussicht stellt. Dies ist freilich bequemer
und wohlfeiler, als eine „selbstständige Kritik", welche der
Verfasser deö Prospekts bescheiden genug ist (denn er spricht
hier offenbar aus selbsteigenener Erfahrung), als eine
„ihrem U r s p r un g und ihrer Tendenz nach oft z w e i f e l-
hafte Beurtheilung von Kunstwerken" zu bezeichnen. Im
klebrigen können wir, falls der Prospekt eine Wahrheit
wird, das neue Unternehmen mit um so größerer Freude
begrüßen, als es uns eine mühevolle und undankbare Ar-
beit abnimml, nämlich die geschäftlichen Notizen zu sam-
meln. Wir haben hierin also jetzt nichts weiter zu thun, als
die von der „Chronik für bildende Kunst" — so soll näm-
lich der Titel des neuen Journals lauten — vom 1. Ja-
nuar 1863 ab monatlich zu veröffentlichenden Tabellen
über AnSstellungstermine, Speditionsangele-
genheiten, Programme und Mittheilungen der
K u n st - und Kü n st lerve reine u. s. f. pure a b z u -
drucken,*) und hoffen wir nur, daß diese Tabellen und
Akten recht gewissenhaft und vollständig zusammengestellt
werden mögen. Wir verfehlen daher auch nicht, unfern
Lesern den Prospekt der „Chronik für bildende Kunst"
unter der Rubrik „Kunstliteratur" im Wesentlichen mit-
zutheilen.

*) Wir sind der Ueberzeugung, daß die Redaetion der aller-
dings erst im Embryo vorhandenen „Chronik für bildende Kunst",
welche in so naiver Weise den Stach druck selbstständiger Ori-
gin a l a r t i k e l ans andern Blättern und Werken in ihr Programm
aufnimmt, gegen diesen unsrerseits in Aussicht gestellten Nachdruck
rein aktenmäßiger, geschäftlicher Dinge um so weniger etwas
einzuwenden haben wird, als dadurch ja ihr Zweck einer „mög-
lichst weiten Verbreitung dieser Mittheilungen iin Interesse des
allgemeinen Kunstverkehrs" um so sicherer erreicht wird. Jeden-
falls werden unsere Abonnenten der Redaetion der „Chronik für
bildende Kunst" sehr für die Gefälligkeit verpflichtet sein, womit
sie uns in den Stand setzen wollen, diese bisher allerdings fühl-
bare Lücke des geschäftlichen Kunstverkehrs vom neuen Jahre ab
in so vollständiger und leichter Weise anszusüllen.

Die Redaetion der Dioskuren.

Kunst-Chronik.

Berlin. — Wie cs heißt, hat Hr. F. Reichenheim
das Meisterwerk von Knaus „ApiAs le baptime“ für
25,000 Franks angekauft.

— — Das Kommunalbl. berichtet in Betreff des Ausfalls
der Konkurrenz über die „Schillerstatue": „Wie man
sich erinnert, war nach dem Schluß der Modell-Ausstellung
vom Magistrat ein Sachverständigen-Kollegium berufen,
um sich Über die drei zur Ausführung geeignetsten Modelle
gutachtlich zu äußern. Von diesem Kollegium war in
erster Stelle das Modell von Begas, in zweiter das
Modell von Siemering mit einer an Einhelligkeit gren-
zenden Mehrheit empfohlen, während sich hinsichtlich des
dritten Modells die Stimmen vollständig zersplitterten.
Die Angelegenheit gelangte darauf an die städtische ge-

mischte Deputation mit dem Aufträge, sich nunmehr über
die vom Sachverständigen-Kollegium empfohlenen Modelle
weiter zu äußern und dabei auch alle die praktischen Mo-
mente zu erwäge», welche neben dem rein künstlerischen
Standpunkt aus verwaltungsmäßigen Rücksichten etwa in
Betracht kommen mochten. Bon dieser Deputation wurde
daraus nach mehreren Sitzungen vorgeschlageu, keines der
empfohlenen Modelle zur Ausführung zu bringen, vielmehr
die Herren Begas und Siemering zu einer nochmaligen
engeren Konkurrenz aufzufordern, wobei das Konkurrenz-
Ausschreiben vom 10. November v. I. strenge innegehalten
und nur ihrer Erwägung überlassen bleiben solle, ob etwa
das Denkmal, statt in Bronze, Granit und Marmor, le-
diglich in Marmor auszuführen sei. Diesem Vorschläge
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