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Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 19.1874

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https://doi.org/10.11588/diglit.13552#0033

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i 19t-r Jahrgang, t

I M 4. f

imtptargim te Doutsrlpn ^unsillsrsmr.

.Herausgegeben und rcdigirt

vr. Mar Schasler.


25. Januar
1874.


Preis des Journals pro Quartal IV, Thlr. — Kreuzband-Abonnements werden nur bei Pränumeration auf den ganzen Jahrgang angenommen.
(Redaction und Expedition der Dioskuren: Villa Schasler bei Wilmersdorf, Berlin.)

Anhalt.

MorrejpondenM: f Düsseldorf, 20. Januar. (Aus der Schultaschen Aus- Liliih-Lhronik: Lokalnachrichten aus Berlin, Breslau, Königsberg, Stettin,
stellung.) — □ München, 12. Januar. (Eduard Schleich f.) — Leipzig, Dresden, Düsseldorf, Köln, München, Metz, Paris, London,

t Rom, Ans. Januar. (Barilli's Deckengemälde im Quirinal ic.) — Lunftkritik: Kunst und Kunstindustrie in der Weltausstellung. (Forts.)

ch Rom, Ans. Januar. (Aus dem deutschen archäologischen Institut.)— Lnnsttndnstrte und Technik: Ueber Kunstverglasung der Profanbautcn. (Forts.)

X Neapel, Ende Decbr. (Kopien pompejanischer Gemälde für Paris.) üerlchügling. — Ausjlelliingskalkiidcr.

Korrespondenzen.

üffeldorf, 20. Januar. (Aus der Schulte'-
schen Ausstellung.) Wenn man Oswald
Acheubach's letztes, auf der Ausstellung von
Schulte befindliches Bild: „Neapel und der
Vesuv im Jahre 1871" gesehen hat, so ist es,
als habe man ein phantastisches Gedicht ge-
lesen, welches den Sinn ganz gefangen nimmt.
Der Geist versinkt nach solcher Lecture in einen
traumhaften Zustand, aus dem sich kaum ein
fester Gedanke, eine genaue Vorstellung ent-
wickeln kann. Diese Gefühlsschwelgerei zu ver-
lassen, den Schleier zu zerreißen, bedarf es
einer besonderen Anstrengung. So auch hier
vor diesem Bilde; schwer ist es zu ruhiger Betrachtung überzugehen,
sich selbst und Andern von dem empfangenen Eindruck Rechenschaft
zu geben. Wir meinen mit Worten das Bild zu entzaubern, wie
man einen Geist verscheucht, wenn man ihn anredet. Auch ist mit
einer Beschreibung hier noch weniger als sonst bei Kunstwerken ge-
than, da ein großer Theil des Werthes in der Farbe liegt. Und
darum gerade ist dieser Vorwurf so ganz geeignet, die eigenthüm-
liche Begabung des Künstlers in's hellste Licht zu setzen. Bei der
dämmerigen Beleuchtung, wo die letzten Tagesstrahlen mit dem
Mondscheine kämpfen, kommt es weniger auf Zeichnung an, die wir

sonst schmerzlich bei O. Achenbach, insbesondere bei den rein aus-
geprägten Linien italienischer Gebirge, vermissen, auch hat sich der
Künstler diesmal der allzu bunten Färbung enthalten, welche in
seinen letzten Bildern die harmonische Wirkung beeinträchtigte und
beruhigend auf das Auge wirkte. Wäre die so charakteristisch und
pikant gedachte Staffage ausgeführter, wie es doch hier, wo die
Figuren schon ziemlich groß sind, erforderlich ist, so möchten wir
vor diesem neuesten Werke des Meisters aller Bedenken loswerden,
die uns sonst ein Abzug an der reinen Freude waren.

Ein Hauptreiz des Bildes liegt in dem Gegensatz, welchen
Jeder empfindet, wenn er das üppige Neapel selbst mit seinem be-
lebten Strand und Hafen und darüber den unheildrohenden Vulkan
erblickt. Alle Pracht der Natur erscheint dann wie ein Traum, alle
Fröhlichkeit der Menschen wie ein kurzer Rausch, ein Spielen über
dem Abgrund. Diese Empfindung kommt auch hier über uns, und
das in besonderer Stärke, da am Rande des Kraters und den Ab-
hang hinunter, in einzelnen Lichtpünktchen das verzehrende Feuer
aufblitzt. Auch die Dampfmasse, welche sich über dem Gipfel aus-
breitet und sich mit dem Gewölk am Himmel vereinigt, droht Ver-
derben. Und doch ragt dicht daneben, von einem leichten Nebelstreif
durchschnitten, die Somma, mit italienischer Anmuth, dämmerig sil-
bern in die Luft, röthet sich lieblich ein Wölkchen vom Abendstrahl,
dringt der Vollmond friedlich hervor, wallt das Meer sanft dem
 
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