Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 12.1903

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Joseph August Lux— Wien:

einen hoch, die anderen tief angesetzt, je
nach Erfordernis und Zweck; das Haus
wächst von innen nach aussen, und trägt
ein individuelles Gesicht, anstatt der starren
Maske jener Häuser, die von der Fassade aus
nach innen wachsen. Das Haus drückt wieder
eine organische Idee aus. Die Räume lagern
oft so durcheinander, dass sich in der Halle
die anmutigsten Ecken und Wand-Flächen
ergeben, die sogen, cozy-corners, reizende
Schmoll-Winkel, die den Raum traut und
intim erscheinen lassen. Die grossen Fenster-
Blicke gehen in die freundliche Landschaft.

Das cozy-corner, oder die Piauder-Ecke,
oder die »Schwarze Kaffee-Ecke«, wie sie
im Hause auch scherzhaft genannt wird, ist
im Gegensatz zur Halle, welche das Prinzip
der Aussenseite in den Wänden, die rauh
geputzt sind, ausklingen lässt, ganz mit grau
und violettem Möbel-Stoff tapeziert, was

einen ungemein warmen und behaglichen
Eindruck macht. Vitrinen sind in den
Wänden eingelassen, welche zur Aufnahme
von Kunst - Gegenständen dienen, die den
Ausgangs-Punkt der gemütlichen Plauderei
bilden sollen. Von der Piauder-Ecke aus
blickt man auch in die Bibliothek, die für
die gebildeten Bewohner der eigentliche Salon
ist. Nach Bauers Anschauung hat der Salon
die Aufgabe, alle Dinge aufzunehmen, welche
die Persönlichkeit, ihre Neigungen und ihre
Ideale karakterisieren. Für den litterarisch
gebildeten Hausherrn wird, wie in diesem
Brünner Hause die Bibliothek der eigentliche
Salon sein, wo die Lieblings-Bücher stehen
und die Studien gepflegt werden, wo an den
Wänden in geeigneten zum Auswechseln
eingerichteten Rahmen die Kunst - Blätter
hängen, und aus allen Dingen die geistigen
Wesens-Züge der Inwohner sprechen. Hier,

LEOPOLD BAUER —WJEN.

Kegel-Bahn und Tennis-Platz eines Land-Hauses.
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