Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 24.1909

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Die Deutschen Werkstätten.

Farben ist Gußmann; er hat eine besonders
glückliche Hand für das Textil. Seine
Teppiche sind aus dem feinen Rhythmus,
dem leichten Wogen der unter dem schrei-
tenden Fuß sich elastisch regenden Noppen
empfunden. Fr ist einer der wenigen Tex-
tiliker, die keine Muster zeichnen, sondern die
Technik schön organisieren; als er den hier
gezeigten Teppich entwarf, vollzog sein Ge-
fühl den Prozeß des Knüpfens. Man be-
achte daraufhin die großen, unregelmäßigen
Farbflecke, die erst zusammenwachsen, wenn
ihre Peripherie durch die Faserbüschel in
ein Wogen und Zittern aufgelöst wird. Die
Dresdner Werkstätten haben nun diesen Tep-
pich weben lassen; man darf sagen, daß es
gelungen ist. Ein guter Teil der ursprüng-
lichen Wirkung blieb erhalten; der Preis aber
sank erheblich, der Teppich kostet bei drei
bis vier Metern 325 Mk. Reizvoll sind die
Spiegelrahmen, die Gußmann in Messing-
blech treibt; sie blinken hell und freundlich
und amüsieren durch ihre flackernden Lichter.

Ein außerordentlich schönes und wertvolles
Lager unterhalten die Werkstätten in ihrer
keramischen Abteilung. Sie meiden alles,

was nicht zu dem besten des heute Hervor-
gebrachten gehört. Sie haben Niemeyer,
L äug er und die entzückenden Wiener.
Sie sammeln auch alle gute Bauernkeramik
und haben in der letzten Zeit die Arbeiten des
Berliners Festersen in Generalvertrieb ge-
nommen. Von Niemeyers Porzellanen zu
schwärmen, von ihren klingenden Formen,
ihrem purpurnen und rosaen Leuchten, ihrem
goldenen Aufblitzen zu träumen, muß jedem
Empfindsamen ein seltenes Vergnügen sein.
Läuger ist derber, auch monumentaler; sein
Steinzeug hat von Japan profitiert; er be-
herrscht ein prachtvolles Blau, und ein sehr
interessantes Braun; er wagt mit gutem Ge-
lingen stark plastische Auflagen, mit ge-
ringerem Erfolg das Einlegen von Glasmosaik.
Festersen verarbeitet eine ziemlich grobe
Masse, er weiß die ihr gehörende Form zu
finden; seine Farben sind grau, grün und
mehrere Töne von Blau. In lustigen Flocken,
in Kreisen und Wolken spielen diese Nuancen
auf indifferentem Grund. Es ist dies eine sehr
gesunde,"sehr kräftige Keramik, ausderuns sicher
noch manches gute Stück kommen wird. —

BERLIN-WILMERSDORF. ROBERT BREUER.

ENTWURF :
BAILLIE SCOTT.

GLAS-SCHRANK
IN EBENHOLZ.

1909. IX.

IÖI
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