Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 24.1909

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Wilhelm Michel:

FIUT7. OSSWALD MÜNCHEN.

Gemälde: »Forsthaus«.

unmalerisch. Unmalerisch ist die oberbay-
rische Landschaft, die gewaltige, leidenschaft-
liche Farben flächenhalt und schier gänzlich
unnüanziert neben- und übereinanderschichtet
und aus mancher guten jungen Begabung, die
sich ihr wehrlos überläßt, in wenigen Jahren
unintime Dekorateure oder spitzfindige Ma-
nieristen macht. Münchens wirklicher »Nach-
wuchs« ruht auf den paar jungen Kräften,
die sich weder vom genius loci noch von
dieser an sich wundervollen, aber malerisch
problemlosen Landschaft ihre malerische Form
rauben lassen. — Osswald gehört zu Mün-
chens Nachwuchs, weil er Maler ist, weil er,
der »Naturalist«, die Schönheit und den Zauber
des Materials Farbe besser kennt als so
mancher junge Hexenmeister, den das Wohl-
wollen unserer allzukonzilianten Kritik trägt.

Poesie — das ist das Wort, das ich als
Überschrift über Osswalds Schöpfungen setze.
Karl Scheffler hat den Deutschen vor Jahren
in einer temperamentvollen Streitschrift gesagt,
was es mit der bei ihnen beliebten Poesie
des Gegenstandes auf sich hat. Auch im
Falle Osswalds handelt es sich nicht um solche
formelhafte, hingesagte Poesie, die man eine
im weiteren Sinne allegorische Poesie nennen
könnte. Es handelt sich bei ihm um inhärente
Poesie, um die Poesie des Technischen, der
Farbe, des Pinselstriches, der malerischen
Problemstellung.

Vor allem sind seine sämtlichen landschaft-
lichen Darstellungen erfüllt von der Poesie
der Räumlichkeit. Die Möglichkeit, Räum-
liches klar zu erkennen, bietet dem Auge
immer eine tiefe, geheime Befriedigung. Und
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