Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 62.1928

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JOSEF THORAK—BERLIN. »MADCHEN« STEIN-PLASTIK

DEUTSCHE
KÜNSTLERBUND-AUSSTELLUNG
IN HANNOVER

Wie sehr sich die Kunstverhältnisse in
Hannover gebessert haben, beweist
nichts schlagender als diese ausgezeichnete,
übrigens auch vorzüglich arrangierte Früh-
jahrsausstellung des hannov. Kunstvereins,
bezw. die Tatsache, daß der deutsche Künst-
lerbund hier zu Gaste weilt.

Die entmutigenden Behauptungen über
den „Rückgang der Kunst", die offenbar
von, auf extravagante „Ismen" eingeschwo-
renen, Snobs ausgestreut werden, werden
angesichts dieser großen Schau der gesam-
ten deutschen Kunst der Gegenwart zu
nichte. Wohin die Fahrt geht, ist mit aller
Deutlichkeit noch nicht zu fassen, und ein
Generalnenner bleibt — zum Glück — ver-
sagt. — Aber ein Grundzug hebt sich doch
klar heraus: das Streben, die höchstmög-
liche Wirksamkeit der im Bildganzen
eigengesetzlichen Farbigkeit zu erreichen.
Dies gilt natürlich nur für die Malerei; aller-
dings nicht ganz ausschließlich, wenn man
gewahrt, daß ein führender Plastiker wie
Ernesto de Fiori stark mit leuchtenden Far-
ben bei seinen Skulpturen zu arbeiten be-
ginnt. — Der deutsche Künstlerbund hat es
für richtig gehalten, seine historische Be-
deutung durch die Ausstellung einer Reihe
von Werken der älteren Generationen zu
dokumentieren. Es erscheinen einige Skiz-
zen und Bilder von Max Kling er, Werke
Fr. v. Stuck's, H. v. Habermann's, Graf
Kalckreuth's, Max Liebermann's,
L. v. König's und Slevogt's usw. — Die
nachfolgenden, kurzen Hervorhebungen
wollen keine Bevorzugungen, vielmehr le-
diglich Fixierungen von Beobachtungen auf
Grund öfteren Betrachtens der Werke be-
deuten. — Die obige Feststellung bez. der
Farbe gilt im vollen Umfange bei den Bil-
dern des jugendfrischen Chr. Rohlfs, von
dem eine größere Anzahl von Werken —
darunter hinreißend: „Arcegno" — gezeigt
werden. O. Kokoschka's „Liebespaar mit
Katze" bestrickt zunächst durch die fanfa-
renhaften Farbtöne, hinterläßt aber doch
das Gefühl, daß dieser eminent begabte
Maler mehr geben könnte. Wenig oder
kaum geändert hat sich der Bildstil auch
bei K. Schmidt-Rottluff; man traut
dieser überzeugenden, ehrlichen Kraft mehr
zu. Ähnliches wäre zu den Werken von
K. Caspar, E. Heckel, M. Pechstein

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