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de. Sie ist eine der frühesten Hallenkirchen
Niedersachsens. Mit dem kurzen unvollen-
det gebliebenen Langhaus vor dem Quer-
haus, dem anschließenden Chorquadrat
und der dreiapsidialen Ostpartie vermittelt
die in gelbem Deistersandstein erbaute Kir-
che den Eindruck eines Zentralhauses. Ne-
ben einigen zwischenzeitlichen Renovierun-
gen wurde 1862 bis 1865 eine Umgestal-
tung der Kirche durchgeführt. Im Westen
wurden Strebepfeiler und am Chor der Sa-
kristeiannex ergänzt. Das südliche Seiten-
schiff wurde unter dem Nonnenchor geöff-
net, Emporen wurden eingezogen und Kapi-
telle erneuert. Der eigentliche Glockenturm
steht abseits der Kirche in nördlicher Rich-
tung in der GLOCKENSTRASSE. Er wurde
1668 im Zuge der Neuerrichtung der Klo-
steranlage erbaut und 1953 um zwei massi-
ve Geschosse erhöht. Die Glockenstube ist
aus Fachwerk.
Mit Ausnahmne der Kirche vernichtete der
Dreißigjährige Krieg alle Bauten des ur-
sprünglichen Klosters. Es ist nicht ganz
sicher, wann das bestehende Konventsge-
bäude in der BERGAMTSTRASSE 8 errich-

Barsinghausen, Bergamtstraße 5,
Rathaus, 18. Jh.


tet wurde. In den meisten Quellen wird der
Zeitraum zwischen 1660 und 1670 ge-
nannt. Möglich ist, daß mit den Bauten erst
um 1700 begonnen wurde. Das Konventge-
bäude hat einen schloßähnlichen Charakter
und besteht wie die Klosterkirche aus Dei-
stersandstein in Quadern mit Eckverzah-
nung. Das Gebäude unter Satteldach mit
neueren Erkern und Eckturmhäuschen ist
dreiflügelig. Der Ostflügel, das damalige
Brauhaus, wurde abgebrochen. Die Anlage
bezieht die Kirche in ihrer Nordostecke mit
ein. Ein Mittelrisalit unter Dreiecksgiebel be-
tont den Eingang auf der Südseite. Von der
Klosteranlage ist noch das ehemalige
Waschhaus mit dem Stallanbau erhalten
geblieben. Das gesamte Klostergelände mit
dem Baumbestand ist von einer Bruchstein-
mauer umgeben. Am Rande des Klosterbe-
reiches steht in der GLOCKENSTRASSE 9
ein heute verputztes Bruchsteingebäude
aus dem 18. Jh. Das ehemalige Scheunen-
gebäude wird als Lagerraum genutzt.
Auf dem früheren Klostergelände in der
BERGAMTSTRASSE 5 steht das Rathaus

Barsinghausen, Rehrbrink 3,
Wohn-Wirtschaftsgebäude, 1754


der Stadt Barsinghausen. Es dürfte in der
Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg errich-
tet worden sein. In dem Amtshaus wohnte
der Verwalter der Klosterdomäne. 1885
wurde darin das Bergamt untergebracht.
Bei dem Bau handelt es sich um einen zwei-
stöckigen Wandständer mit regelmäßigem
Fachwerk und Fußstreben im Oberge-
schoß. Auf der Ostseite wird deutlich, daß
das ursprünglich schmalere Gebäude nach-
träglich erweitert und auch die Dachkon-
struktion mit dem mittigen Erker verändert
wurde. Die Vorderfront ist vertikal durch vier
Doppelfensterachsen und horizontal durch
die Stockwerksbalken gegliedert.
In dem näheren Bereich um das Kloster sie-
delten sich Bauern, Handwerker, Ackerbür-
ger und Klosterbedienstete an. Dieser dörf-
liche Charakter Barsinghausens ist am be-
sten in der Altenhofstraße erhalten geblie-
ben. Hier besteht eine geschlossene Fach-
werkbebauung, die aus dem 18. und 19. Jh.
stammt. Zu den als Gruppe baulicher An-
lagen ausgewiesenen Bauten gehören
ALTENHOFSTRASSE 11, 11 A, 13, 15, 15
A, 21,23, 25 und 27. Die ältesten Gebäude
ALTENHOFSTRASSE 13 und 15 wurden
1737 bzw. 1742 erstellt. Es handelt sich um
Hallenhäuser in Vierständerbauweise mit
Nebengebäuden. Die anderen Häuser sind
trauf- und giebelständige Wandständerbau-
ten in Fachwerk aus der Mitte des 19. Jh.
Der nördliche Teil der Altenhofstraße ist der
ehemalige Kreuzweg, wo sich Altenhof-,
Kaltenborn- und Marktstraße sowie der
Rehrbrink kreuzen. Bis zur Mitte des letzten
Jahrhunderts stand hier ein Schandpfahl.
An dieser Ecke unterhielt das Kloster in frü-
herer Zeit ein Hospiz. Es wurde 1673 neu
erbaut. Später wurde aus dem Hospiz der
Klosterkrug in der ALTENHOFSTRASSE 1 B.
Das Bier kam aus der Klosterbrauerei. Das
Gebäude war ein Hallenhaus in Vierständer-
bauweise. Durch die Umnutzung wurde es
in den letzten Jahren verändert.
Am Kreuzweg stand auch das inzwischen
abgerissene Kötnerhaus Bothe. Es war das
einzige Haus, das den Dreißigjährigen Krieg
überstanden hatte. Einige Meter nördlich
steht das 1754 errichtete Bauernhaus
REHRBRINKSTRASSE 3, Ecke Kaltenborn-
straße. Dieser Vierständerbau ist mit Zie-
geln ausgefacht. Zwei weitere Einzelbau-
denkmale stehen in der KALTENBORN-
STRASSE 8 und 15. Die beiden als Vier-
ständer in der ersten Hälfte des 19. Jh.
bzw. 1749 errichteten Hallenhäuser sind in
den letzten Jahren umgebaut worden.
Die Marktstraße hat, wie der Baubestand
zeigt, die Entwicklung einer Hauptge-
schäftsstraße in einer Kleinstadt genom-
men. Von den ursprünglich landwirtschaft-
lich genutzten Bauten sind nur wenige üb-
riggeblieben. An dem Gebäude MARKT-
STRASSE 18, einem Vierständerbau aus
der Zeit um 1800, ist trotz der erfolgten
Umbauten die ehemalige bäuerliche Nut-
zung ablesbar. Das sich nach Osten an-
schließende Haus dürfte eines der ältesten


Barsinghausen, Bergamtstraße 8, Kloster, spätes 17. Jh.

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