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gründet, von deren ursprünglichen Bauwer-
ken jedoch nichts erhalten blieb. Mit der
zunehmenden Industrialisierung stiegen
auch die Ansprüche an die Wohnformen.
Städtische Bauformen wurden übernom-
men. Als Beispiel für diesen Wandel kann
das Gebäude an der SPIELBURG 12 gelten,
das ca. 1905 am damaligen Nordrand des
Ortes gegenüber der Zuckerfabrik ent-
stand. Der zweigeschossige villenartige
Ziegelbau wirkt mit seinen zahlreichen Zie-
gelornamenten und den verputzten Fassa-
denflächen durch die strenge Symmetrie
und den mittigen Eingang unter kleinem
Zwerchgiebel sehr repräsentativ. 1907 ent-
stand in ähnlicher Bauweise am Ostrand
von Groß Munzel das Wohnhaus der Hofan-
lage OSTERENDE 31 zusammen mit den
dazugehörenden Wirtschaftsgebäuden.
Ortskarte Seite 96/97

BARSINGHAUSEN-HOHENBOSTEL

Hohenbostel wurde erstmals als Hoenbur-
stel und Homborstold im Güterverzeichnis
des Klosters Apelern, das unter dem Abt
Erkenbert in der Zeit von 1105-1128 erstellt
wurde, aufgeführt. Kirchlich gehörte Hohen-
bostel schon vor dem 12. Jh. zum Kloster
Corvey. Im Jahre 1305 verkaufte Corvey
das Amt Honborstolden an das Kloster Bar-
singhausen. 1385 bis 1397 tauchte Hohen-
bostel im Lehnsregister des Bischofs von
Minden als Omborstele auf.
Der Henjessche Hof, der Haupthof des
untergegangenen Brunharcdessen, heute
Auf dem Brink, war mit einem Wall umge-
ben, der erkennbar ist. Er wurde jedoch
durch einen Straßendurchbruch z.T. zer-
stört. Der Hof soll ein ehemaliger Rittersitz
gewesen sein.
Die ev. St. Thomas Kirche AN DER KIRCHE 3
in Hohenbostel entstand in ihrem Kern Ende
des 12. Jh., wobei Teile des Turmes ver-
mutlich noch älter sind. Einige Reste am
langgestreckten Bruchsteinbau mit Eckqua-

dern und Strebepfeilern und der untere Teil
des Turmes, heute nach der Renovierung
von 1928 mit Doppelturm, deuten auf die-
ses Alter hin. Das Kirchenschiff unter Sattel-
dach wurde nach der Beschädigung durch
Tillysche Scharen 1635 neu aufgerichtet.
Eine kleine Tafel über dem Haupteingang
an der Nordseite erinnert daran. Die Recht-
eckfenster wurden 1877 verlängert. Der aus
dem Jahre 1463 stammende gotische Chor
unter polygonalem Walm ist durch gekup-
pelte Spitzbogenfenster mit innen und au-
ßen profilierten Gewänden belichtet. Auf
der Südseite wird der spätromanische Teil
des Schiffes durch ein Portal mit eingestell-
ten Säulen auf attischen Basen und
Schmuckkapitellen erschlossen. Der Saal-
raum des Langhauses mit flacher Querbal-
kendecke öffnet sich zur rippenlos gewölb-
ten Turmhalle durch einen romanischen
Rundbogen mit Kämpferplatten und zum
Chor durch einen Triumphbogen, der
schiffseitig gotische und chorseitig roma-
nisch profilierte Kämpferplatten aufweist. Im
Chor mit Kreuzrippengewölbe auf Konsolen
befinden sich figürliche und ornamentale
Malereien aus dem 16. Jh. Der Annex am

Groß Munzel, Spielburg 12,
Wohnhaus, um 1905


Hohenbostel, An der Kirche 6,
Wohn-Wirtschaftsgebäude, 1780


Hohenbostel, An der Kirche 3, Kirche St. Thomas, spätes 12. Jh.


Turm war früher das Mausoleum des Gutes
von Wichtringhausen.
Die Hohenbosteler Kohle gehörte zu der
besten des Deisters. Der Kohleabbau be-
gann 1831 und erfolgte bis 1912. Um das
gewonnene Material leichter abfahren zu
können, wurde 1841 eine befestigte Straße
von der Nenndorfer Straße bis Winninghau-
sen und Hohenbostel auf Kosten des König-
lichen Finanzministeriums gebaut, die soge-
nannte Kohlenstraße. Nach 65jähriger Tä-
tigkeit wurde der Hohenbosteler Stollen ge-
schlossen.
Neben der bedeutsamen Kirche mit dem
Schul- und dem Pfarrhaus blieben nur weni-
ge Baudenkmale unverändert erhalten. Die
ehemals landwirtschaftlich genutzten Ge-
bäude wurden entweder abgerissen oder
umgebaut. Mit seinen Proportionen und
dem mächtigen Wirtschaftsgiebel ist das
Haupthaus in Vierständerbauweise AN DER
KIRCHE 6, wenn auch z.T. stark verändert,
ein eindrucksvolles Zeugnis des früheren
Erscheinungsbildes landwirtschaftlicher
Bauten. Über hoher Giebelwand mit liegen-
den, in rotem Klinker ausgemauerten Gefa-
chen und bemaltem, korbbogenartigem
Dielentorbalken erhebt sich das vierfach
flach vorkragende Giebeldreieck mit senk-
recht eingeschobenen Eichenbohlen. Die
Vorkragungen werden durch kannelierte
Balkenstummel betont.
Erwähnenswert ist der kleine Backsteinbau
in der NENNDORFER STRASSE 62, der in
Ecklage hier vermutlich in der zweiten Hälf-
te des 19. Jh. in Anlehnung an die Back-
steingotik erstellt wurde. Er wird heute als
Gaststätte genutzt.
Ortskarte Seite 98/99

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