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BARSINGHAUSEN-HOLTENSEN

In Holtensen wurde bereits im 12. Jh. ein
Geschlecht de holthusen erwähnt, das im
Dienste des Bischofs von Minden stand. Die
Gründung der Ortschaft erfolgte vermutlich
schon zur Sachsenzeit. Um 1585 wurden
hier 16 Hofstellen aufgeführt, davon 4 Voll-
erben, 4 Halberben und 8 Kötnerstellen.
Damals war die Ortschaft noch wesentlich
bestimmt von dem Gut, das von 1360 bis
1730 der Familie von Münchhausen gehör-
te. 1872 wurde es von der Familie von Hugo
übernommen. Die heutigen Gebäude der
Gutsanlage wurden leider in den vergange-
nen Jahren stark verändert, so daß ihr
ursprünglicher Zeugniswert schwer erkenn-
bar ist.
Von den verbliebenen alten Hofstellen ist
die Gesamtanlage AM KAMPE 2 durch ihre
Geschlossenheit und den Erhaltungszu-
stand besonders zu beachten. Der vielecki-
ge Wirtschaftshof wird dominiert durch die
beiden Giebel des Haupthauses und der
Längsdurchfahrtsscheune unter Halbwalm-
dach aus dem Jahre 1864. Das Hallenhaus,
ein Vierständerbau, ist im Wirtschaftsgiebel
datiert 1817. Es wurde im Jahre 1905 im
Kammerfach durch einen zweigeschossi-
gen Ziegelbau unter Walmdach mit umlau-
fendem Geschoßgesims und Erkerhaus un-
ter Sprengwerk erweitert. Der stockwerks-
artig mit zweifacher Auskragung abgezim-
merte Wirtschaftsgiebel ist durch Ziegel-
ziersetzungen in den Gefachen und reiche
Beschriftung und Ornamentik des Giebel-
schwellbalkens, des Hahnenbalkens und
des Dielentorbalkens und der -Ständer ver-
ziert. Im Nordosten schirmen ein einge-
schossiges Stallgebäude in Ziegelbauweise
unter Walmdach und eine hohe Bruchstein-
mauer den Wirtschaftshof zur Straße hin
ab.
Von den Haupthäusern der kleineren Hof-
stellen ist AM SCHAFANGER 5 mit seiner
schlichten Abzimmerung des Wirtschafts-
giebels sehr gut erhalten. Die quadrati-
schen Gefache der Giebelfront mit der
regelmäßigen Ausmauerung in roten Zie-
geln und die flache, zweifache Vorkragung
über den Schwellbalken kennzeichnen das
Gebäude. Die einzige Schmuckform des im
Jahre 1837 erbauten Vierständers sind die
Inschriften im Giebelschwellbalken und im
Dielentorbalken.
Die alte Schule im BULTFELD 1 stammt aus
der zweiten Hälfte des 19. Jh. Im südlichen
Teil des längsgestreckten Ziegelbaues war
der Klassenraum untergebracht. Die nördli-
che Haushälfte, die durch eine Querdiele
erschlossen wird, diente als Wirtschaftsteil.
Die Lehrerwohnung lag zwischen dem
Schulzimmer und dem Stallteil und nahm im
Dachgeschoß den Bereich über dem Klas-
senraum ein. Der Südgiebel ist in Anleh-
nung an die städtische Architektur Hanno-
vers durch schmale, rundbogige Fenster
und durch die Traufen betonende Ecktürm-
chen gegliedert.
Bis auf die Längsdurchfahrtsscheune von
1896 stammen die Gebäude der Hofanlage
im BULTFELD 2 aus dem Jahre 1923.

Durch ihre Proportionen, die gedrungenen
Formen, die rechtwinklige Stellung der Ge-
bäude zueinander und die Einheitlichkeit
der Materialien erhält die Gesamtheit bauli-
cher Anlagen einen wehrhaften Charakter,
der noch unterstützt wird durch das quer in
die Wagenschauer aus Ziegel eingebaute
Torhaus in Bruchsteinmauerwerk mit Fach-
werk im Giebeldreieck.
Ortskarte Seite 98/99
BARSINGHAUSEN-KIRCHDORF

Kirchdorf zählt wohl zu den ältesten Wohn-
stätten im Calenberger Land. Bereits 892
taucht es als Chiridorf im Marstemgau in
Urkunden des Bischofs Engilmar von Min-
den auf. Die Kirche wurde 1358 von der
ausgestorbenen Familie von Goltern gestif-
tet, die zugleich Herren des hiesigen Gutes
und der Kirche waren. Der Besitz ging auf
die Familie von Alten über. Die Kirche in der
LANDSTRASSE war dem heiligen Kreuz ge-
weiht. Teile der im Osten gerade geschlos-
senen Kirche aus Bruchsteinmauerwerk mit
Eckquaderung und des fast quadratischen

Turmes stammen von einem älteren Vor-
gängerbau. Niedrige Strebepfeiler, der süd-
westliche datiert 1474, stützen die Mauern
des dreijochigen Schiffes mit verputzten
Backsteingewölben. Der westliche Turmein-
gang ist spitzbogig überwölbt unter einer
Nische aus romanischer Zeit mit einfachem
Kreuz, darunter datiert 1534. Nach dem
Einsturz der Turmspitze im Jahre 1715 wur-
de der Turm in geringerer Höhe mit achtek-
kiger Spitze wiedererstellt. Zwei rechtecki-
ge Schallöffnungen mit Sandsteingewän-
den, Sockel-, Gurt- und Hauptgesimse mit
Hohlkehle gliedern den gedrungen wirken-
den Turm. Erwähnenswert sind die Malerei-
en an der Ostwand und an den Seitenwän-
den des mittleren Joches, die aus dem spä-
ten 15. Jh. stammen. Die Gewölbemalerei
im Chor, wohl um 1600 entstanden, stellt
das Jüngste Gericht dar. An den Außen-
wänden der Kirche sind Grabsteinplatten
angebracht, deren, älteste aus dem Jahre
1638 stammt.
1585 ließ Herzog Julius eine Musterrolle für
das Calenberger Land erstellen. Hierin sind
für Kirchdorf 4 Meierhöfe, 15 Kötner und

Holtensen, Am Schafanger 5,
Wohn-Wirtschaftsgebäude, 1837


Holtensen, Bultfeld 1,
ehern. Schule, spätes 19. Jh.


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Kirchdorf, Landstraße, Kirche St. Crucis


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