Hannig, Henner [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,1): Landkreis Hannover — Braunschweig, 1988

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ist in seinem konstruktiven Fachwerk noch
unverändert erhalten.
Von ortsgeschichtlicher Bedeutung ist die
ehemalige Poststation in der HILDESHEI-
MER STRASSE 558. Der Aufputz des zwei-
geschossigen, durch sieben Fensterachsen
symmetrisch gegliederten Baues unter Sat-
teldach aus der Zeit um 1820 täuscht Qua-
dermauerwerk vor. Das alte Stallgebäude
links neben der Hofeinfahrt, ein lang-
gestreckter Wandständerbau mit kleinem
Drempel unter Satteldach, läßt seine ur-
sprüngliche Funktion als Unterstellmöglich-
keit für die Pferde noch erkennen. Das
Wohnhaus ist in den letzten Jahren restau-
riert worden. Der Entwurf des Bauwerkes
wird Laves zugeschrieben. Seine Autoren-
schaft ist jedoch nicht belegt.
Die städtischen Einflüsse des nahen Hanno-
ver führten zu starken Veränderungen ent-
lang der Hildesheimer Straße. Hier sind als
gut erhaltene Beispiele der zweigeschossi-
ge, traufständige Ziegelbau unter Halb-
walmdach mit straßenseitig erschlossenem
Scheunenanbau in Fachwerk HILDESHEI-
MER STRASSE 559 und der traufständige,

durch vier Fensterachsen gegliederte Zie-
gelbau unter Satteldach mit Erkerhaus in
der HILDESHEIMER STRASSE 516 zu nen-
nen. Auch die schlichten, eingeschossigen
Ziegelbauten, die traufständig an der Hil-
desheimer Straße stehen, stammen aus der
zweiten Hälfte des 19. Jh. Sie sind für die
Arbeiter der 1873 in Gleidingen gegründe-
ten Ziegelei erstellt worden. Im Ortskern
sind als Baudenkmale aus dieser Zeit die
Wohnhäuser in Ziegelbauweise IM WINKEL
5 und 14 sowie in der RINGSTRASSE 10
ausgewiesen.
Der jüdische Friedhof ist 1840 im DAMMAK-
KERWEG angelegt worden. Er wurde bis
1938 belegt.
Ortskarte Seite 118/119
LAATZEN-GRASDORF

Die Bebauung von Grasdorf liegt zwischen
dem Gleiskörper der Eisenbahn Hannover-
Kassel und der Leine. Die Stelle des alten
Ortskerns ist schon frühzeitig als Siedlungs-
platz genutzt worden, wie steinzeitliche Fun-

de von ca. 1500 v. Chr. belegen. Die Furt
durch die Leine und die trockenen Gelände-
terrassen oberhalb der Leineniederung ha-
ben die feste Siedlungsstelle am Kreu-
zungspunkt wichtiger Handelswege begün-
stigt. Erstmals urkundlich erwähnt wurde
Grasdorf als Gravestorpe im Jahre 1235. Im
nördlichen Bereich, nahe der Geländeab-
bruchkante zur Leineniederung, liegt die
vom Baumeister Leiseberg in den Jahren
1734 bis 1736 in der KIRCHSTRASSE erbau-
te ev. Pfarrkirche. Sie ersetzte die um 1350
erbaute und 1733 eingestürzte Marienkir-
che. Das Gebäude ist ein schlichter Saal-
bau in Bruchsteinmauerwerk mit Eckverqua-
derung und niedrigem, gedrungenen, mit-
telalterlichen Westturm unter spitzem Turm-
dach. Das Satteldach ist im Osten polygo-
nal über dreiseitigem Chorschluß abge-
walmt. Die Längsseiten sind durch fünf
Rundbogenfenster mit Sandsteingewänden
gegliedert. Das Südportal ist datiert 1736.
Der Innenraum wird durch eine flach ge-
wölbte, verputzte Holzdeckenkonstruktion
abgeschlossen. Bemerkenswert ist der
Kanzelaltar von dem Hofbildhauer Christian
Ackermann aus dem Jahre 1706.

Gleidingen, Hildesheimer Straße 558, ehern. Poststation, um 1820 Gleidingen, Im Winkel 5,
Wohnhaus, um 1900


Gleidingen, Hildesheimer Straße 559,
Wohnhaus, spätes 19. Jh.


Gleidingen, Am Hang 10,
Querdielenhaus, 1857



Grasdorf, Kirchstraße, Kirche St. Marien, 1734-36,
Baumeister Leiseberg


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