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sowie Eckverzahnung wurde unter Man-
sarddach mit Gauben in drei Achsen errich-
tet. Der Innenraum mit verputzter Segment-
bogentonne wird durch hohe Rundbogen-
fenster mit Sandsteingewänden und
Schlußstein belichtet und in der Mittelachse
durch Segmentbogenportale unter Rund-
fenster in der Supraporte erschlossen. Der
Pyramidenhelm des Turmes ist aus dem
Quadrat ins Achteck geführt. Die neue Kir-
che erhielt einen barocken Kanzelaltar mit
zwei freistehenden Säulen, den der Tisch-
lermeister Lauber aus Hannover 1779 anfer-
tigte. Die Kirchhofmauer wurde aus den
Steinen des alten Kirchengebäudes er-
stellt.
Zu den ältesten Vierständerbauten zählt
das Hallenhaus in der IPPENSTEDTER
STRASSE 18 unter Halbwalmdach aus der
Zeit Ende des 18. Jh., das jedoch einige
Veränderungen erfahren hat. Sehr gut er-
halten sind die Haupthäuser in der IPPEN-
STEDTER STRASSE 28 mit außermittigem
Dielentor unter Halbwalmdach und in der
VARDEGÖTZER STRASSE 5, datiert 1805,
dessen Traufen zweistöckig abgezimmert
sind. Bemerkenswert ist der hohe Vierstän-
der in der BÜRGERMEISTER-RASCH-
STRASSE 1 aus dem Jahre 1818, dessen
Wirtschaftsgiebel zweigeschossig abgezim-
mert ist. Die Traufe, die leider mit Platten
verhängt ist, entspricht in Konstruktion und
Wandgliederung der eines zweigeschossi-
gen Herrenhauses mit mittigem Eingang.
An diesem Gebäude ist die gegenseitige
Beeinflussung der im Kreisgebiet vorhande-
nen Haustypen deutlich erkennbar. Von
ähnlicher Konstruktion und ähnlichem
Raumgefüge sind die riesigen Hallenhäu-
ser in der WILHELM-HENZE-STRASSE 5
aus dem Jahre 1832, in der RAIFFEISEN-
STRASSE 1 und in der KIRCHSTRASSE 17.
Zu dem gleichen Haustyp gehören auch die
zweigeschossigen Bauten in der CALEN-
BERGER STRASSE 6 und der IPPENSTED-
TER STRASSE 15. Bei der Hausnummer 6
mit der ebenfalls als Baudenkmal ausgewie-
senen Fachwerkscheune CALENBERGER
STRASSE 8 wurde der Wirtschaftsgiebel
mit dem ehemaligen Dielentor um die Jahr-
hundertwende in Ziegel ersetzt. Die Kon-
struktion der Hausnummer 15 ist wegen der
senkrechten Verbretterung nicht mehr er-
kennbar. Teile des Haupthauses AN DER
SCHMIEDE 1-3, dessen Wirtschaftsteil etwa
aus der Zeit um 1830 stammt, sind vermut-
lich älter. Der unter höher gezogenem Dach
liegende Wohnteil und der mittlere Teil des
mit der langen Traufseite zur Straße orien-
tierten Hauses ist stockwerksartig abgezim-
mert. Er wurde vermutlich vor 1800 erstellt.
Der wohl älteste Wandständerbau der Ort-
schaft ist das Pastorenhaus in der KIRCH-
STRASSE 9, ein stockwerksartig abgezim-
merter, neunachsiger, symmetrisch geglie-
derter Fachwerkbau. Es wird vermutet, daß
er nach dem Dreißigjährigen Krieg erstellt
wurde. Die schon erwähnte Superintenden-
tur war hier untergebracht.
Schon frühzeitig im letzten Quartal des
19. Jh. wurden die Neubauten in Ziegel er-
richtet. Einer der wohl ältesten Ziegelbau-
ten ist das Querdielenhaus in der RAIFF-

EISENSTRASSE 9 unter Halbwalmdach und
zweigeschossigem Wohnteil, datiert 1875.
In direkter Nachbarschaft, in der RAIFF-
EISENSTRASSE 7, steht ein kleines, einge-
schossiges Querdielenhaus auf Sandstein-
sockel, das vermutlich einige Jahre älter ist.
Die eingeschossige, als Ziegelbau errichte-
te Schule, BÜRGERMEISTER-RASCH-
STRASSE 6, in der Nähe der Kirche gele-
gen, wurde ebenfalls im 19. Jh. erbaut. Der
schlichte Bau, datiert 1883, ist durch Korb-
bogenfenster gegliedert.
Aus der Zeit um die Jahrhundertwende
stammen die meisten Wohnhäuser der
Höfe, die in Ziegel erstellt wurden. Sie ent-
sprechen den sogenannten „Zuckerrüben-
burgen“, die auf recht hohem Sandstein-
sockel unter Satteldach durch korbbogige
Fenster, Lisenen und Geschoßgesimse
gegliedert sind, wie die Wohnhäuser in
der CALENBERGER STRASSE 2, CALEN-
BERGER STRASSE 5, in der BÜRGERMEI-
STER-RASCH-STRASSE 2 und der BERG-
STRASSE 20. Die Wohnhäuser stehen
meist zusammen mit Scheunen und Ställen
in Fachwerk oder Ziegel entweder an der

Straße oder von den Wirtschaftsgebäuden
flankiert hinter dem durch eine Ziegelmauer
abgegrenzten Wirtschaftshof. Gut erhalten ist
diese Gruppe von Gebäuden in der CALEN-
BERGER STRASSE 2, einem ehemaligen
Vollmeierhof. Zusammen mit der Hofstelle
Bergstraße 20 bildet das eingeschossige
Wohnhaus BERGSTRASSE 21 in Ziegel mit
zweiachsigem Erkerhaus aus der Zeit um
1900 durch die Einengung des Kurvenbe-
reiches am nordöstlichen Ortseingang ei-
nen besonderen städtebaulichen Akzent.
Ein durch sein Gepräge in Jeinsen beson-
ders auffallendes Gebäude ist das zweige-
schossige Wohnhaus von 1899 in der VAR-
DEGÖTZER STRASSE 10. Der auf quadra-
tischem Grundriß erstellte Ziegelbau ist mit
der zur Straße hin knappen Befensterung
von vier Achsen streng symmetrisch geglie-
dert. Die rundbogigen Fensteröffnungen,
die Ecklisenen und die umlaufenden Ge-
schoß- und Dachgesimse schmücken den
gelben Ziegelbau. Der hohe Sandsteinsok-
kel und der erhaltene schmiedeeiserne
Zaun heben das Wohnhaus von dem Stra-
ßenbereich ab.

Jeinsen, Bürgermeister-Rasch-Straße 4, ehern. Küsterhaus, frühes 19. Jh.
und Bürgermeister-Raschstraße 6, ehern. Schule, 1883


Jeinsen, Calenberger Straße 5,
Wohnhaus, Jahrhundertwende


Jeinsen, Calenberger Straße 6,
Wohnhaus, frühes 19. Jh.


Jeinsen, Raiffeisenstraße 9,
Querdielenhaus, 1875


Jeinsen, Vardegötzer Straße 10, Hofanlage
Wohnhaus, 1899


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