Fliegende Blätter — 47.1867 (Nr. 1147-1172)

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Da traf Jcan Baptiste in der großen, berühmten Stadt
Frankfurt auf der Straße mit dem Meister Jan Hagel zu-
sammen, der nach Straßburg wollte. Dieser freute sich nun
sehr, wie er den Jean Baptiste sah und nahm ihn mit sich
an den Rhein. In Straßburg gab er ihn bei einem tüch-
tigen Maler, seinem Busenfreunde, in die Schule. Einige
Jahre blieb er nun bei dem und lernte da die edle Maler-
kunst recht auö dem Fundamente. Da erwachte plötzlich
t>er alte Wandergeist wieder in ihm t>ie Auflehnung
gegen das Bestehende, gegen die Regeln, in denen er sich be-
sand. Ueberhaupt war sein Leben charakteristisch, immer Un-
zufriedenheit mit dem, was er hatte. So sagte er seinem
Geister, der ihn gar nicht fortlasten wollte, Lebewohl und zog
von neuem in die Welt hinein, über den Rhein nach Frank-
reich, durchwanderte singend und malend den reizenden Süden,
hielt sich in Carcastonnc eine Zeitlang auf und dann hinüber
nach dem Lande seiner Sehnsucht, dem gepriesenen Spanien
— und — trübe Wolken flatterten über des Erzählenden
Stirne — grenzenloses Elend, grenzenlose Liebe redeten aus
ihnen. So war er umhcrgezogen — ein genialer Bettler
und endlich wieder nach Deutschland gekommen und nach
ifliarienheim.

Damals malte' er auch sein Bild und schenkte es der
Elsbeth zum ewigen Angedenken. ES ist dasselbe, daS sie
vorhin gesehen haben. Bon meinem Baker war es aus mich
übergegangen und lange hing der Jean Baptiste in meiner
ArbcitSstube, schräg über meinem Schneidertisch. Aber nach
und nach, ich weiß cs so nicht zu sagen, ward es mir^ pein-
lich wenn ich hinsah, schien cs sich zu bewegen, zu flüstern,
lange Geschichten zu erzählen von Frankreich und Spanien
in einer unverständlichen Bildersprache; und nun gar des

Der Rathskeller von Marienheim.

(Fortsetzung.)

Nachts, da stieg der Jean Baptiste aus seinem Rahmen,
wandelte in der Stube herum und störte mich im Schlaf.
Da trug ich ihn denn einstmals hierher in den Rathskeller
und hängtc ihn zu den andern Herren da drüben, da hatte

er bessere Kameradschaft wie bei mir.

Einige Monden lang hatte der Verlobten stilles Glück
gedauert, da sollte cs auf einmal anders kommen. Du lieber
Gott, weßhalb erschaffst du auch so viele böse Menschen?

In Maricnheim war ein neuer Amtmann angekommen,
Ludwig Wild mit Namen, ein junger, feuriger Mann, der
stellte den unschuldigen Mädchen nach, wo und wie er nur
konnte, und wehe, wenn eine sich bethörcn ließ und in sein

Garn ging.

Und wenn er eine Frau seinen Licbesschwürcn willig
fand, so kümmerte er sich auch nicht viel um das siebente
Gebot, sondern handelte stracks dem zuwieder. Der scharwenzte
denn nun auch uin die Elsbcth herum, gegen die er, wie sic
denn ein prächtiges Mädchen war, in wilder Liebe ent-
brannte, und sich in den Kopf setzte, sie sein zu nennen, trotz
ihrem Vater und dem Jean Baptiste, der sorglich Wache
hielt vor ihrer Thüre, daß der Geier nicht in seinen Tauben-
schlag konnte.

Eines Tages nun, spät am Nachmittag, schon dämmerte
der Mond auf, wandelte Elsbeth mutterseelenallein, da der
Jean Baptiste versprochen hatte, nachzukommen, auf dem
alten, verfallenen Walle umher. Hohes Buschwerk war zwi-
schen den Schießscharten ausgewachsen, den Boden bedeckte
Schlingwerk und Gras. Da trat der Amtmann plötzlich zu
ihr, bot ihr seinen Arm und flattirte hin und her.

Allcrholdscligste Jungfrau Benderin, sagte er. Wollet
Ihr mir nicht vergönnen, Euren schneeblutcnen Arm in den
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