Fliegende Blätter — 47.1867 (Nr. 1147-1172)

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Aus dem vorigen Jahrhundert.

(Fortsetzung.)

„Der Amtmann wird Ihm die Kuh nicht pfänden," fiel
hier der Fremde, dessen Blick immer finsterer geworden, dem
Bauern heftig in die Rede, „der Amtmann thut's nicht, ver-
laß Er sich auf mich."

„Hoho," lachte der Bauer, „der Amtmann wird sich
an Euch verdammt wenig kehren. Wenn ich morgen früh
nicht zahle, so läßt er mir die Kuh pfänden, das ist so sicher,
als wenn ich's schwarz auf weiß hätte. Die Kuh, die beste
ln ganz Vechelde, sticht dem Amtmann schon längst in's
Auge, und da er sie von mir durch Kauf freiwillig nicht er-
langt, so läßt er sie mir pfänden und kauft sie dann im
Berkaufstcrmine für sich und zwar für wenige Thalcr, denn
wenn er auf das Stück Vieh bietet, so hütet sich schon jeder
Andere, ihn zu überbicten. Es geht Alles natürlich zu in
der Welt."

„Das sind ja recht hübsche Zustände in Seinem Dorfe,"
weinte der Fremde.

„Na, da könnte ich Euch Geschichten erzählen," entgeg-
»ete der Bauer. „Einen gröbern, hartherzigcrn Kerl, als
unfern Amtmann in Vechelde, gibts im ganzen Herzogthume
nicht. Bei uns Bauern, die wir von ihm auf die nieder-
trächtigste Weise maltraitirt werden, steht er deßhalb auch
schlecht genug angeschrieben. Wir hassen ihn Alle wie die
Pest.«

„Aber warum beklagt Ihr Euch denn über den Mann
nicht beim Herzoge, damit dieser einmal nach dem Rechten
sieht," meinte der Fremde auf diese Rede.

„Beim Herzoge?" lachte der Bauer. „Ra, der wollte
uns schön ansehen, wenn wir ihm mit solchen Geschichten
kämen. Der hat am Ende mehr zu thun, als sich um uns
und unfern Amtmann zu bekümmern. Und Recht kriegten

wir bei dem auch nicht. Eine Krähe hackt der andern das
Auge nicht aus."

„Der Herzog soll aber doch ein ganz umgänglicher Mann
sein, und es käme deßhalb immer auf einen Versuch an," meinte der
Fremde, indem er einen lächelnden Blick auf den Bauern warf.

„Na," entgegncte dieser und kraute wiederum seinen
Kopf, „na, mit der Umgänglichkeit wird's am End' auch
nicht so weit her sein. Mit großen Herren ist nicht gut Kir-
schen essen, wißt Ihr!"

Der Fremde lachte hell auf, indeß der Bauer sortfuhr:

„Und diesmal wird mir der Amtmann auch ohne den
Herzog noch nicht an den Kragen kommen können. Meine
schöne Kuh, auf die er sein Auge geworfen, kriegt er nicht, und
wenn er sich auf den Kopf stellt. Ich werde zahlen und
zwar, morgen zur bestimmten Frist. Es wird mir freilich
sehr schwer fallen, aber gezahlt wird doch. Meine Doris hat
nämlich unsere wenigen Werthgegenstände: einen Ring, einen
Löffel, einen Kessel und das Bild unserS seligen Herzogs Karl,
zusammcngcsucht, und diese Sachen gedenke ich heute Morgen
in der Stadt zu verkaufen, um mit dem gewonnenen Erlöse
meine Schuld zu bezahlen."

„Weiß Er denn schon einen Käufer für Seine Sachen?"
fragte der Fremde den Bauern auf diese Mittheilung.

„Nein, doch der wird sich in der Stadt schon finden.
Trödler gibt's dort ja genug."

„Was verlangt Er denn für Sein Bündel?" sprach der
Fremde weiter. „Wenn Er nicht zu viel fordert, so bin ich
selbst nicht abgeneigt, Ihm dasselbe abzukaufen."

„Ihr wollt den Kram erhandeln?" fragte der Bauer
erstaunt, indem er einen verwunderten Blick auf den feinen
Anzug des Fremden warf. „Seid Ihr denn ein Trödler?"

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