Heidelberger Volksblatt — 6.1873

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Die Nagglmaiern.

ſchreibe an drei Kreuzwege mit einem Hufnagel, welchen
du geſunden haſt, dieſe Worte: Kex, Mox, oppo in folin,
und ſchlage den Nagel feſt ff f in die Wand, ſo thut
dir kein Zahn mehr weh." - Was ſage unſer Herrn
Zahnärzt dazu, die uns gleich mit d'r Zang an
de Hals kumme, wann mer g'holfe hawe wolle? Packt
ein, ihr Herrn! - Noch e Mittlche, Leitcher! For die
Mitter. Baßt uff: "Wenn ein Kind beſchrieen iſt.
So ſtehe mit dem Kinde gegen die Morgenſonne und
ſprich: Sei willkommen, Sonnenſchein, wo kommſt du
hergeritten? Hilf mir und meinem lieben Kinde! Gott,
der himmliſche Vater, bitte, daß er meinem Kinde helfe,
und bitte den Sohn und den heiligen Geiſt, daß er
ihm gebe ſein natürlich Blut und Fleiſch!" - Alſo
vergeßt's nit, Leitcher: Sonnenſchein wo kommſt du
hergeritten? Denkt eich en Eeſl zum Rezept. -
Weiter in d'r Haushaltung. Wie mer große Eier kricht,
Leitcher! Gewiß jeder Hausfraa ſehr erwinſcht. Alſo:
"Daß Hühner gut legen" is Folgendes zu dhun: "Zum
Jacobi-Abend ſchneide große Neſſeln ab, welche Saamen
tragen, und hebe ſie unter dem Dach zu Boden auf,
zu Weihnachten reibe ſie klar unter die Kleie, dieſes gib
den Hühnern während der 12 Unternächte zu freſſen,
ſo legen ſie das ganze Jahr große Eier." - Do habt'r
's Ei deſſ Columbus. Gott ſei Dank! Große Eier!
Schmunzlt, ihr Pannekuchefreſſer! Jch werr de Samſtag
ſämmtliche Eierweiwer uff'm Mark e Vorleeſung halte.
Es ſoll mer noch emool eeni mit kleene Eier im Korb
in die Schtadt kumme. - End gut, Alles gut - noch
e Mittlche aus de 83 Geheimniſſe, wie ma 's Blut
ſchtillt, wann ma ſich in de Finger ſchneid. Es laut:
"Sobald du dich gehauen oder geſchnitten haſt, ſo ſprich
und halte den Daumen darüber 3 Mal und mache 3
Kreuze über die Wunde im Namen Gottes des Vaters,
des Sohnes und des heiligen Geiſtes! Amen!" -
Habt'r genug, Leitcher? Jch wenigſchtens hab vor heit
genug. Die nei Weisheit ſchteht mer bis am Hals. -
Deſſ wär alſo die neiſcht Beetſchweſterliteratur, die im
Johr 1873 in Deitſchland hauſire geht! Wer's nit glaabt,
zahlt e eeſchtreicher Sechſerle. Jch hab ſchun in manch
g'ſcheid Buch d'r Neizeit geguckt, ohne Koppweh zu
kriche, awer iwer deſſ Bichl is mer doch d'r Verſchtand
ſchtill g'ſchtanne. - 's Scheenſchte kummt awer nooch,
Leitcher! Die alt Roſekranzjungfer war heit zum zwette-
mool bei'mer. Jch hab nämlich zu'r g'ſagt g'hatt:
Wann mer die G'ſchicht g'fallt, nemm ich'r noch e paar
Exemplar ab un verdheel ſe in d'r Nochbarſchaft. -
No, Madamm, ſegt ſe alſo, wie hott's Jhne g'falle? -
Ausgezeichnet! ſag ich. Es is alſo nit mehr wie billig,
daß ich aach Sie dafor auszeichen. Weeß Se, wo Se
hing'heert, mit Jhre 83 Geheimniſſe? Uff de Blocksberg,
wo die Hexe uff ſchtumpige Beſſe rumreite. Sie alter
abgedankter Beetſcheeml, Sie! - Ach Gott! fangt ſe
an, die neie Rezepte hawe noch immer g'holfe, in de
drei heilige Name! Madamm! - Ja, ſag ich, Jhr g'heert
aach g'holfe in de drei heilige Name! Ooder g'heert
Jhr geloßt, mit d'r Feierklufft, un 's Hexefett g'heertr
abgezappt, deſſ Se unnerm Herrnſchädl hott, Sie alt
verzauwerti Kuh, Sie?

Jm neinzehnte
Johrhunnert,
Leitcher! -
War die alt
Beetſchweſter
mit ihre ge-
druckte "83
Geheimniſſe
für Jeder-
mann in land-
wirthſchaftli-
chen und häus-
chen Verhält-
niſſen" noch
nit bei eich?
Jchhab bereits
die Ehr g'hatt!
- Was Neies,
Madamm -
ſegt ſe. Drei-
unachzig Ge-
heimniſſeee.-
No, was koſcht
dann ſo e
Ding? ſag ich.
- Nooch Be-
liewe, ſegt ſe.
- 83 Geheimniſſe, denk ich, un ke fixe Breis - deß
is billig! Do kannſcht en Fiſchzug Petri mache. Jch
gew'r alſo e eeſchtreicher Sechſerle, deß die alt Roſe-
kranzjungfer kulant for voll angenumme - ſie gibt
mer ihr "83 Geheimniſſe", gedruckt in Landshut, 1873
- un 's G'ſchäft war gemacht! - Jch kann mich gar
nit mehr trenne vun dem koſchtbare Literaturerzeigniß
d'r Neizeit! Jch lees un koch aweil zu gleicher Zeit!
Jn d'r linke Hand mein 83 Geheimniſſe, in d'r rechte
de Kochleffl - annerſcht ſchteh ich gar nit mehr in
meiner Kich, Leitcher! Zum allgemeine Nutze un Fromme
gew ich hiermit e paar vun de beſchte, de intreſſantſchte
Entdeckunge, die ich gemacht, zum Beſchte. Baßt uff,
ihr junge Herrn, mit de angehende Drauerweide. Eich
is g'holfe! Jch verdreiw eich de Mondſchein! Jn dem
Goldbichl befind ſich alſo unner Annerm aach folgend
geheimnißvoll Rezept: "Haare wachſend zu machen.
Nimm drei lebende Fröſche, brenne ſie in einem Ofen
zu Pulver, terbetire es mit Honig, ſalbe damit den
Ort, wo du willſt Haare haben, ſo wachſen ſie in kur-
zer Zeit." - Js deß Mittl ke eeſchtreicher Sechſerle
werth, froog ich? He? Jch werr's neekſchtens bei meim
Mann browire. - Weiter. "Für das Zahnweh." Gott
ſei Dank, Leitcher! Aach for die Bloog e unfehlbar
Mittlche! Wer ſchunn Zahnweh g'hatt, werd's zu ſchätze
wiſſe. Es laut: "Sanct Petrus ſtand unter einem Eichen-
buſch, da ſprach unſer Jeſus Chriſtus zu Petro: Wa-
rum biſt du ſo traurig? Petrus ſprach: Warum ſoll
ich nicht traurig ſein, die Zähne wollen mir im Munde
verfallen! Da ſprach unſer Herr Jeſus Chriſtus zu
Petro: Petrus gehe in den Grund, nim Waſſer in
den Mund und ſpeie es wieder in den Grund. fff Oder

Druck und Verlag von G. Geiſendörfer.
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