Hülsen, Julius; Wiegand, Theodor [Hrsg.]
Milet: Ergebnisse der Ausgrabungen und Untersuchungen seit dem Jahre 1899 (Band 1,5,Text): Das Nymphaeum — Berlin, 1919

Seite: 55
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III. DER FIGÜRLICHE SCHMUCK.

X

i. BESCHREIBUNG DER STATUEN.

Unmittelbar vor der Schmuckwand, im Hauptbassin, fand sich eine Anzahl von Marmorfiguren und
Fragmenten, andere in geringerer oder größerer Entfernung von dem Gebäude, die wegen gleicher
Arbeit und Größe dazu gehören; einige von diesen Bruchstücken passen auch unmittelbar an jene an. Das
Material ist grobkörniger weißer Marmor, dunkel verwitternd,
wie er auf der Mykale und den benachbarten Inseln bricht.
\\) Sitzende Nymphe mit Vogel neben sich. Abb. i.
Im Kais. Ottom. Museum zu Konstantinopel'). Mendel I
Nr. 127.

Höhe 1,18 m, Breite der Plinthe 0,69 m. Durch den
Unterleib Bruch bis in den linken Oberarm. Der rechte
Arm an der Achsel und im Ellenbogen gebrochen. Es
fehlt der Kopf, die rechte Hand, der linke Unterarm,
die rechte Fußspitze mit dem ganzen vorderen Teile
der Plinthe, Hals und Kopf des Vogels. Die linke Brust,
das linke Knie und viele Stellen des Gewandes sind
bestoßen, sonst ist die Oberfläche gut erhalten. Am
Vogel Reste eines Wasserausgusses.

Die Figur sitzt ruhig auf einem Felsen, der linke
Fuß ist etwas zurückgezogen. Der linke Arm ist halb
erhoben, der rechte stützt sich auf. Der obere Teil
des Mantels ist über den linken Oberarm und Ellen-
bogen genommen, läuft von dort über den Rücken zur
rechten Hüfte und liegt in unruhigen Falten auf dem
Schöße, während der Rest neben dem linken Bein in
schweren Zügen herabhängt, die nach unten, ziemlich
regelmäßig sich verkürzend, stufenartig zurücktreten.
Unter den Knien bildet das Gewand, schlaff von einem
Bein zum anderen gezogen, tiefe Höhlungen.

Über verwandte hellenistische Typen Heibig, Führers II S. 55 Nr. [242 und S. 480 (Nachtrag), mit
älterer Literatur; vergl. auch I S. 429 zu Nr. 777.

') Die Figuren, deren Standort nicht angegeben wird, sind im Museum zu Milet.
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