Hager, Georg [Editor]; Bayern / Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schul-Angelegenheiten [Editor]
Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern (2,2): Bezirksamt Neunburg v. W. — München, 1906

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KUNSTSTATISTISCHE UBERSICHT.

I. BAUKUNST.

Wer bedeutende Baudenkmäler sucht, wird bei einer Fahrt in das Bezirksamt
Neunburg v. W. nicht auf seine Rechnung kommen. Das Gebiet birgt weder große,
noch entwicklungsgeschichtlich wichtige Bauten. Die einzigen größeren Denkmäler,
die Pfarrkirche und das ehemalige Irerzogliche Schloß in Neunburg, haben durch
Veränderungen ihren ursprünglichen Charakter zum guten Teil verloren. Aber was
den einzelnen Denkmälern an Wert fehlt, das wird ersetzt durch das Stadtbild Neun-
burgs als (fanzes. Welche Stürme Neunburg auch iiber sich ergehen lassen nmßte,
die wirkungsvolle landschaftliche Lage auf einer im weiten Umkreis von ansehn-
licheren Hügeln überhöhten, in das wiesenreiche Schwarzachtal sich vorschiebenden
Granitbergzunge und die malerische Gruppierung der Befestigungsbauten, der Kirche
und der Wohnhäuser blieb ihm erhalten: so ist die Stadt selbst in ihrer Gesamt-
erscheinung ein interessantes und eigenartiges Baudenkmal. Die Zeugen einer
besseren Vergangenheit, einer einst lebhaften Gewerbetätigkeit ragen in dem ehe-
maligen Fürstensitz auf Schritt und Tritt in das stille und ruhige Treiben der Gegen-
wart herein. Ein Gang um die Stadt mit ihren verwitterten Mauer- und Turmresten,
ihrern stattlich aufsteigenden Schlosse und ihren vom üppigeir Griin der Natur iiber-
sponnenen Gräben, Wällen und Zwingern enthiillt die Ronrantik der Ruinen. Und
in dem Stadtteil »Anr Biigerl« wird das kiinstlerische Auge erfreut durch die malerische
Unregelmäßigkeit der Gassen und Häuser.

i. KIRCHLICHE BAUTEN.

Aus der ronranischen Bauperiode hat sich als Ganzes nur die Kirche St. Jakob
in Aigen, der Vorstadt von Neunburg, erhalten, ein kleiner einscliiffiger, flach
gedeckter Bau nrit Chor inr Ostturm und ausspringender Apsis. Die auch sonst aus
Sparsanrkeitsgründen beliebte Anlage des Chores inr Ostturm können wir in der
romanischen Periode noch zweinral inr Gebiete nachweisen, in Mitteraschau und in
Penting. Doch ist hier eine Apsis nicht vorhanden. Wo der Chor inr Turm an-
gelegt wird, fehlt auch anderwärts in der Regel eine ausspringende Apsis. Aigen
zeigt denselben Chorgrundriß wie die am 30. Novenrber 1125 geweihte kleine Andreas-
kirche in denr Hirsauer Kloster Prüfening bei Regensburg. Parallelen hierzu bieten
die kleineren Kirchen Simmersfeld und Mönchberg im württembergischen Oberanrt
Nagold bzw. Herrenberg. Iis sclreint indessen, daß in Aigen Hirsauer Einfluß nicht
mitspielt. Die Mauertechnik nracht einen so frühen Eindruck, daß der Bau noch
in das n. Jahrhundert oder spätestens in die Zeit unr 1100 gesetzt werden kann.
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