Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 37.1921-1922

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HANS SUTTER

(1887—1916)

Der junge Maler Hans Sutter fiel an der dem Kunsthandel und den Kunstpublikationen
Westfront. Als diese Nachricht im Spät- orientieren, wußten damals nur einige wenige
sommer 1916 in die Heimat drang, traf sie —von westdeutschen Kunstausstellungen her —
wohl einen Kreis nahestehender Menschen, ein etwas von Hans Sutters künstlerischer Per-
liebendes Elternpaar, eine zärtliche Schwester, sönlichkeit und von seinem Werk. Denn der
eine hoffende Freundesschar wie ein Donner- junge, im Augenblick seines Heldentodes erst
schlag, aber von der großen Zahl deutscher 29 jährige Künstler hatte es im Gegensatz zu
Kunstfreunde, die sich nach den Ausstellungen, vielen seiner Zunft- und Weggenossen abge-
lehnt, früh hervorzutreten, obwohl sich
ihm reichliche Ausstellungsgelegenhei-
ten boten und obwohl er, was wichti-
ger ist, in seiner Kunst bereits einen
Grad von Reife und in einzelnen Schöp-
fungen ein Maß von Vollendung er-
reicht hatte, die jeden andern zu einer
Kollektivausstellung veranlaßt hätten.
Aber Hans Sutter dachte anders. Er
war ein Mensch, der es mit sich und
seiner Arbeit ernst nahm. Mehr als es
heute üblich ist unter jungen Künstlern,
die, durchdrungen von ihrem Werte,
jedes Maß verlieren, war er kritisch
gegen sich selbst, ja fast mißtrauisch
auf das, was er erreichte und was ihm
gelungen. Er führte ein Tagebuch, das
heute seinen Eltern und Getreuen ein
unendlich wertvolles menschliches Do-
kument ist, denn es gibt Aufschluß
über einen vornehmen Charakter, über
einen Rassemenschen, über ein Geist-
wesen von hoher Selbständigkeit des
Denkens und Fühlens. Jede beliebige
Stelle des Tagebuches kann aufgeschla-
gen werden: immer spricht ein trotz
seiner Jugend fertiger, fester Mensch,
spricht über die Episode des Tages
hinaus in die Sphäre einer großen,
eigenen und gesunden Welt- und Le-
bensanschauung hinein. Und immer
wieder kehrt der Ausdruck des eifrigen
Bestrebens, mit der Kunst als Gan-
zem und mit der eigenen Kunstübung
ins Reine zu kommen, sich klar zu
werden, was das Wesen der Kunst
eigentlich sei und was er von sich aus
dazu beitragen könne, die Kunst zu för-
dern und voranzutreiben. Sutter sparte
nicht mit den reichen Gaben, die ihm
zuteil geworden, er spannte alle Kräfte
an, wütete gegen alle Hemmungen von
innen und außen und scheint sich zeit-
hans sutter Selbstbildnis weise in der Stimmung des jungen

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