Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 37.1921-1922

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hinzugelernt. Entzückende sehr weiche und
sehr delikate Akte, mit höchster Sicherheit
gezeichnet, die letzten mit verblüffend einfachen
Mitteln gegeben, wechseln mit skizzenhaften
Bewegungsstudien und mit großen Köpfen und
Halbfiguren, die wieder den Anlaß boten, die
plastische Erscheinung bis zur höchsten Wir-
kung zu steigern und durchzuarbeiten. Eine
Reihe von Frauenbildnissen ist darunter, von
einer sehr vornehmen und sehr besonderen
Schönheit, bedeutende Männerköpfe in einer
ganz plastisch wirkenden Modellierung wie die
Porträts des Kronprinzen Rupprecht und des
Generalstabschefs von Moltke. Damit geht
parallel eine Verstärkung der graphischen Mit-
tel. Nach Kielfederart derb gezeichnet stehen
die Figuren, oft wie hingestürmt, auf der Fläche,
nur mit wenigen Druckern modelliert. An Stelle
der hochglanzpolierten Kupferplatten werden
jetzt mit Vorliebe Zinkplatten verwendet, die mit
dem Polierstahl geglättet oder gestrichelt wer-
den, in die dann die harte, kalte Nadel sich
fast grausam wollüstig eingräbt. Nur eine ganz
geringe Zahl von Abdrücken höchster Quali-

tät verstattet diese Technik, jeder Abzug wird
hier zu einer Kostbarkeit für sich. Auch in
der Ausbildung der Mittel scheint mir der
Künstler heute auf seiner Höhe angekommen
zu sein.

Hinter diesen Schöpfungen des hellen Tages
steht, in den letzten Jahreswellen wieder stärker
und gebietender wachsend, die Welt des Ge-
heimnisvollen. War es ein Bekenntnis, eine
Hoffnung oder eine Selbstüberhebung, wenn
Reichel über jenen kleinen Deutungsversuch
von magischen Problemen das Wort des Augu-
stinus setzte: „Ich werde mich also auch noch
über diese Kraft meiner Natur erheben, werde
kommen zu den Gefilden und weiten Palästen
meines Gedächtnisses —" ?

Und ich möchte an den Schluß den Passus
aus diesem Selbstbild stellen: „Seid ihnen
nicht böse, denen ein größerer Ausschnitt aus dem
Psychischen benützbar gegeben ist und die um
die Hermeneutik der Bilder und der Sprache
wissen. Es ist geschrieben: Wer es fassen
kann, der fasse es; denen aber, die draußen
sind, widerfährt alles in Gleichnissen."

EISENBILDGIESSEREIEN DER EISENWERKE LAUCHHAMMER

Das Eisenwerk Lauch- erstandenen Kunstzweige
hammer (Provinz — _~ vonLauchhammerheraus-
Sachsen), dessen Bronze- i Bi gegeben wurde. Sie ist
bildgießerei sich eines ~"^T~ - nach einem Modell Maxi-
hohen Rufes erfreut, hat ä^s^ ^^-^t> 1 milian Dasios gegossen
neuerdings auch den Ei- und stellt dar: einen Ar-
senkunstguß aufgenom- beiter und eine Mäherin
men. Damit knüpft das von Merkur geführt; über
Werk an ehrwürdige Tra- denrüstigVorwärtsschrei-
ditionen an, denn hier in tenden der deutsche Adler
Lauchhammer war die schwebend. H. S.

Wiegenstätte des Eisen- _

feingusses plastischer
Kunstschöpfungen im

späteren 18. Jahrhundert. '^C^SB^SBS

Lauchhammer behaup- H ~"~IS ÄsS^SS'JSÄnIÄ~oSSi.

^ genen, diesem großen Reich
tete einen hervorragen- unserer Eindrücke eigentüm-
den Rang unter den in lieh entwachsenen Wortbe-
der ersten Hälfte des 19. griffe geprägt hat. „Warm",
Jahrhunderts blühenden „leuchtend", „stumpf-1, „ge-
deutschen Eisenbildgieße- brochen", „schwer", „heiter",
reien. Die Freunde der „hel1". Ja»»", — a»e diese
plastischen und der Gaß- Bezeichnungen sind nichts als
j |^BHaä^BM68HHBakiSBHMHMHBI^B| rohe Vergleiche mit an-
kunst werden mit Inter- ^MHHBMi^M^^i^^d „.

,. „ . ___ ., deren Sinnesempnndungen.

esse die gußeiserne Weih- ._. . „ .. „ . .

° Es zeigt, daß hier ein Reich

nachtsplakette 1921 be- ist, dessen Wesen wir erst zu

grüßen, die als eine der ^^^^^^=S^^^a ahnen beginnen.

ersten Proben der wieder- m. dasio weihnachtsplakette f.Schumacher

Wie kommt es, daß der
Mensch nur für das Wesen
der Färb Wirkungen keine ei-

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