Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 37.1921-1922

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MAX SCHWARZER

Ausstellung der Miiuchner Secession

BAYERISCHE LANDSCHAFT

DER MÜNCHNER GLASPALAST 1922

Ernsthaft verlangt heute niemand mehr vom
Glaspalast eine Überraschung. Man weiß,
daß man es mit einer Verkaufsausstellung zu tun
hat, die sich nur verschämt mit einem Män-
telchen von künstlerischer Ambition umkleidet.
Der Gesamteindruck ist von Sommer zu Sommer
der nämliche. Einmal ist mehr Plastik da, ein-
mal weniger (heuer trifft mehr), sonst ist es
immer das Gleiche: links die Genossenschaft,
geradeaus die kleineren „Mittelgruppen", rechts
die Secession, dahinter die Juiyfreien. Im
großen Vestibulum wie stets die Hauptplastik;
diesmal besonders bedeutungsvoll, weil sich
hier eine stattliche Reihe sehr eindrucksvoller
Werke aus dem Nachlaß von Adolf von Hilde-
brand befindet und manches Starke und Be-
trächtliche, das von dem im Schatten Hilde-
brands großgewordenen Theodor Georgii
stammt.

Indessen zunächst zu den Bildern! Man ist
so froh und dankbar, wenn man in dem bunten,

zumeist recht unerquicklichen Vielerlei des Ver-
kaufsgutes da und dort ein Bild von Klasse
findet, das einem etwas zu sagen hat, das einem
im Gedächtnis bleibt. Bei der „Secession" ist
es schon der Fall. Im Oktogon, der Tribuna
der Arrivierten, gibt es doch immer Anre-
gungen und Feststellungen. Und nicht minder
in dem vorgelagerten Monumentalsaal, den
Karl Schwalbach seit einigen Jahren zu hängen
pflegt und wo allerlei Problematisches und Ex-
perimentierendes zuhause ist. Schwalbach selbst
ist hier mit Werken seines impulsiven Schaffens
vertreten: eine eigenartige Mischung von Zart-
heit und Kraft ist in ihnen, etwas Entrücktes
und doch wieder, wie in dem Bild ,.Mutter und
Kind", das wie ein Sang auf irdische Frucht-
barkeit anmutet, etwas gesund Erdennahes.
Nächst ihm Hüther, dessen Entwicklung an-
ziehende Momente aufweist, Schwarzer, der
über seine Bilder eine pikante Süße, die aller-
dings einmal gefährlich werden könnte, aus-

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