Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 37.1921-1922

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ERICH BÜTTNER

Die Frage, was der letzte Sinn und das höchste verhaltene Leidenschaftlichkeit, geboren aus
Ziel der Malerei ist, schien nach erbitterten Wehen der Revolution, die Europa erschüttern
Kämpfen zwischen Kunstrichtungen, die aus ver- sollten, breitet sich mit der ihm eigenen Art des
schiedenen Weltanschauungen hervorgegangen Sehens und Malens seit den neunziger Jahren
waren,endlich zugunsten der impressionistischen des verflossenen Jahrhunderts allmählich über
Malerei gelöst, als der Expressionismus sie von das ganze Abendland aus. Die Stellung, die
neuem aufrollte. Zolas bekanntes und vielzitiertes dieser Mann in Frankreich einnimmt, konnte
Wort „Kunst ist Natur, gesehen durch ein ihm allerdings in Deutschland nicht werden, weil
Temperament" mußte sich eine Umkehrung sich das Empfinden des deutschen Volkes, das
gefallen lassen. schon die unbedingte Übernahme des französi-

Der Impressionist hatte seine ganze Aufmerk- sehen Impressionismus verweigert hatte, auch
samkeit und all seine Liebe der Erscheinung gegen den „Cezannismus" aus nationalem Gefühl
zugewandt. Von ihrem durch Ort und Zeit wehrte. Dabei muß zugegeben werden, daß
bedingten Wechsel gewann er durch sein Auge Cezanne dem deutschen Wesen von jeher näher
jede seelische Anregung. Für eine persönliche stand als irgend jemand seiner französischen
Gestaltung des Gesehenen im Sinne eines Ge- Zeitgenossen. Die deutsche Rasse besann sich
schauten boten sich ihm viele
Möglichkeiten in der ihm zuge-
standenen freien Wahl des Au-
genblickes und der besonderen
malerischen Ausdrucksweise.

Grundsätzlich anders ent-
wickelt sich das Verhältnis des
Expressionisten zur Welt, nach-
dem der Expressionismus aus
einer Zeit tastender Versuche
herausgetreten und zu einer theo-
retisch und praktisch gefestigten
Lehre geworden ist. Zwar läßt
sich auch der überzeugteste An-
hänger jener Kunst von opti-
schen Wahrnehmungen beein-
flussen, aber ehe er sich überhaupt
mit dem Sichtbaren und Greif-
baren auseinandersetzt, steht das
„Bild" schon vor seiner Seele.
Er braucht die Natur nur zur
Umschreibung eines Wollens
oder Gefühls, und wenn es noch
so unbestimmter Art ist. Für
die formale Gestaltung des Bil-
des lautet jetzt die erste Forde-
rung „Stil"; sinnlich wirkende
Farbe und Form sind streng
verpönt.

Die Anfänge jener neuen Be-
wegung, die wir die expressioni-
stische nennen, liegen in einer
Zeit, in der die Malerei einer er-
müdeten materialistischen Kultur
ihren Höhepunkt noch nicht er-
reicht hatte. Die ersten Vorboten
des Sturmes, der sie bedrohte,
gehen von Cezanne aus. Seine erich büttner Selbstbildnis

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