Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 37.1921-1922

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ADOLF HILDENBRAND

Gegensatz zu seiner früheren Entwicklung, der
das Objekt und der einzelne Mensch Grund-
wert und Ziel war. Von seinen Studien her,
gewissermaßen aus der sicheren Unmittel-
barkeit der Darstellung, also des Malens selbst,
gelangt er zu einer Verdichtung des Maleri-
schen. Dieser Vorgang ist für Hildenbrand
zwingend und treibt ihn zu einer metallischen
Tiefe der malerischen Substanz. In beton-
hafter Massivität breitet sich das Steingewirr,
die Gewalt der Vernichtung deutend. Nicht
weniger monumental erscheint in absichtlich
ähnlicher Durchbildung (Mittelbild) die figür-
liche Gestalt. Links davon kämpft ersterbend
die Flamme als Symbol menschlicher Tätig-
keit gegen die Greuel und Sinnlosigkeit der
Verwüstung. Rechts das Ziel: die Ruhe, die
sich auch farbig, nicht nur inhaltlich über
das ganze Werk senkt. Dieser Altar, für ein
Freiburger Korps bestimmt, ist eine der wenigen

MUTTER UND KIND

Schöpfungen, welche das Thema „Krieg" in
persönlicher Übertragung, als künstlerisches
Erlebnis auswirken.

Das innige, subjektive Verhältnis zur heimat-
HchenNatur spiegelt sich, ausgenommen die Folge
der Kriegserinnerungen aus Rußland, in allen
Radierungen wieder. Selten nur bleiben sie Stu-
dien, sind vielmehr fast stets das Gesicht des
feinsinnig erfaßten Naturausschnitts. Auch auf
diesem Gebiet werden die niedergehaltene Hori-
zontlinie und der weite Himmelsraum (Ober-
rhein) wichtig. Tiefgründiges farbiges Aus-
leben spricht aus einer Fülle von Aquarellen.
Diese in schwemmendem Fluß in Naß geführ-
ten Töne, die die gezeichnete Kontur völlig in
sich aufnehmen, gestatten unendliche Bewe-
gungsfreiheit, wie sie der Maler auch in Öl an-
strebt. Der Zusammenhang seines Schaffens
mit dem Aquarell dürfte ein Ausgangspunkt
späterer Betrachtung werden.

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