Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 65.1914-1915

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„Veteranen-Dank"

Bei Sedan war ich, bei Paris
vor vierundvierzig fahren.

Und als wir dann nach Orleans
Zuin Kampf gezogen waren,

Da floß mein junges Leutnantsblut;

Des Franzmanns Kugel traf mich gut!

Mein Leben lang war ich gar stolz
Auf diesen Kugelsegen;

Daß ich in kalter Winterszeit
verwundet bin gelegen;

Daß ich dabei war, als das Reich
Zm Sieg erstand, dem Phönix gleich!

Doch stolzer noch schlägt heut' mein cherz
Und will es kaum erfassen,

Daß vor der großen neuen Zeit
Die alte muß erblassen,

Die uns so reiches Glück gebracht:

Der Kaiserkrone Glanz und Pracht.

vom Feldherrn bis zum letzten Mann —
Das ganze Volk in Waffen!

Und ringsum Feinde ohne Zahl,

Die uns der Reid geschaffen!

Lin unerhörter Völkerkrieg —

Und überall schon Sieg auf Sieg!

wie Morgenröte lenchtet's auf,
wie junges, kühnes lfoffen!

Der Zukunft Pforten weiten sich,

Bald stehen sie uns offen:

Der Deutsche wird der Herr der Welt,

Auf sich und seine Kraft gestellt!

was wir erkämpft, nun wird es erst
Für alle Zeit errungen!

Die alten kfelden treten ab,

Zhr Platz gebührt den jungen!

„Kein Ruhm kommt Eurem Ruhme gleich,
wir Scheidenden — wir danken Luch!"

Jos. von Schmaedcl.

Internationale Ausstellung für Suchgewerbe und Graphik

in Leipzig

von Stephan Steinlein, München

l.

Auf einem Gelände, das 400000 Ouadratmeter
umfaßt, dessen Hauptstraße sich vom Verwaltungs-
gebäude bis zur „Halle der Kultur", einer Schöpfung
von Wilhelm Kreis, über einen halben Kilometer
hinzieht, war die Weltausstellung für Buchgewerbe
und Graphik auf einem Teil des gewaltigen
Schlachtfeldes vom s8. Oktober ^3 errichtet wor-
den. Zu Füßen des vor einein Zahre geweihten
Völkerschlachtdenkmals breitete sich das große Frie-
denswerk hin, das nach den Worten des amtlichen
Kataloges über die Grenzen einer bloßen Fach-
ausstellung hinausstrebend, als ein Dokument der
geistigen Kultur aller Völker und Zeiten geplant
war.

„'Schrift- und Druckwesen als Mittel zur
Bewahrung und Übertragung geistiger
Werte, das ist der Grundgedanke, der hier
zu anschaulichen: Ausdruck gelangt und

durch ben Buchgewerbe und Graphik auf
das engste mit Wissenschaft, Kunst und
Literatur aller Nationen verknüpft sind",
lautet ein Programmsatz des Präsidenten der Aus-
stellung vr. Ludwig Volkmann.

Auf dem Wege zur Ausstellung fährt man an der
russischen Kirche, einem im Vorjahre geweihten
Bauwerk zur Lrinnerung der \8^3 auf dem Schlacht-
feld gefallenen Russen vorüber. Liner der Aus-
stellungseingänge liegt dicht vor dem Napoleon-
stein, jener Stelle, von der aus der Korse den Gang
der Völkerschlacht verfolgte, die sein Schicksal be-
siegeln sollte. Mit dem Tage der Kriegserklärung
schloß man in der „Straße der Nationen" die Aus-
stellungen der gegen Deutschland Verbündeten und
empfahl die Bauwerke durch große Maueranschläge
dem Schutze des Publikums. Nach l.00 Zähren steht
Deutschland gegen eine Welt von Feinden. Line
„Kriegsausstellung", die seit den letzten Wochen
noch im Akademischen viertel „Der Student" ent-
stand, zeigt die deutsche Erfindung Gutenbergs und
die Graphik im Dienste englischer Hetzarbeit und
französischer Lügen gegen die deutschen „Ouadrat-
köpfe" und Barbaren. Zn der Ausstellung verkauft
man eine Schrift des Ausstellungspräsidenten:
„von der Weltausstellung zum Weltkrieg". Der
im Louis-seize-Stil erbaute französische Staats-
pavillon ward empfindsam mit der fensterlosen
Rückfront gegen das Völkerschlachtdenkmal an-
gelegt; die gotische Raubbnrg Englands orientiert

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