Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 65.1914-1915

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Warenhaus Tietz in Nürnberg und die an zwei
Metzgerhäusern in Pforzheim.

Als ein sehr erfreuliches Zeichen der beginnenden
künstlerischen Gestattung unserer öffentlichen Nutz-
bauten wird rnan es begrüßen, daß solche Lsaus-
bilder nun auch an Kasernen und ^uftizgebäuden
angebracht werden. Und damit, daß auch die
moderne Lsausplastik wieder wie die alte von
den Zeitläuften, Heimsuchungen und Krieg erzählt,

nähert sie sich wieder ihrre alten volkstümlichen
Art. Das auch sonst mit Münchener Kunst reich-
geschmückte Haus von Dr. Georg Wolf enthält ein
Hauszeichen, St. Georg den Lindwurm tötend,
und weist damit unmittelbar auf den großen Welt-
krieg hin. Ls klingt so recht wie ein guter Haus-
spruch dieser eisernen Zeit von l9l4 und

„Sankt Georg hilf du den Wurm zertreten!"

A. Heilmeyer.

Vas soll -er Künstler, -er Maler, von -er Chemie wissen?

Eine Einleitung zur Malmaterialkun-e von Georg Guchner, chemisch,technisches Untersuchung»,

laboratorium München

wir wollen uns nun mit den verschiedenen
Zustandsänderungsmöglichkeiten etwas näher
befassen.

wir haben vorher gesagt, daß die Malerfarb-
stoffe den Abschluß eines Geschehens darstellen,
durch das reaktionsfähige Stoffe in einen gewissen
Gleichgewichtszustand, in welchem sie verharren,
gekommen sind. Unter Gleichgewicht verstehen wir
hier, daß ein gebildeter Stoff auch nach längerer
Zeit keine, ohne weiteres nachweisbare stoffliche
Veränderung, überhaupt keine Zustandsändernng
ttgendwelcher Art, erleidet. Doch müssen wir hier
unterscheiden zwischen wirklichem und scheinbarem
Gleichgewicht, mit anderen Worten zwischen wirk-
lichen stabilen und sog. metastabilen Stoffen.
Systeme, die nicht im Gleichgewicht (z. B. über-
sättigte Lösungen), also nicht stabil sind, aber doch
den Lindruck der Stabilität machen, nennt man

metastabil im Gegensatz zu labil in der Mechanik
die also schon durch einen kleinen Anstoß in das
stabile Gleichgewicht übergehen. Die metastabilen
Stoffe spielen eine große Rolle, wie wir noch sehen
werden.

Die Zustandsänderungen der Stoffe kann
man im allgemeinen in zwei große Gruppen ord-
nen, in chemische und physikalische Zuftands-
änderungen, wenn auch die Unterschiede in den
Grenzgebieten nicht mehr durchführbar sind.
Entweder erleidet ein Stoff durch Einwirkung von
anderen Stoffen (chemische Energie) oder- durch
Energiewirkung seitens derwärmestrahlenden (Licht)
oder elektrischen Energie eine so tiefgehende Ver-
änderung, daß ein neuer Stoff mit anderen, art-
eigenen oder spezifischen Eigenschaften auftritt
(stoffliche oder chemische Zustandsände-
rungen) — oder es ändert ein Stoff bloß seinen

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