Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 65.1914-1915

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hat nicht die Form der unfern, Vorderfuß und
Ferse sind nicht deutlich abgesetzt, er gleicht einen:
langen und sich unten schnell verjüngenden Schlauch.
Als Stricknadeln werden nach v. S ch u l tz (S. n\)
vier kleine Holzstäbchen oder kleine Zweige ver-
wendet. Es werden aber nach demselben Gewährs-
mann Strümpfe auch „mit einem kleinen Holz-
haken gehäkelt, Strümpfe nach .Kaschmirer Art',
sie sind doppelt und sehen so aus, als ob ein Strumpf
über den andern gezogen ist" (S. 4O1).

Zn den Abmessungei: schwanken sie stark. Es gibt
solche, die nur bis an die untere Wade reichen,
und andere, die weit über die Knie hinaufgehen.
Die Strümpfe wirken beim ersten Anblick äußerst
bunt und reichhaltig in den Mustern. Bunt bleibe::
sie, aber die Mannigfaltigkeit der Muster löst sich
bei näherem Studium auf in eine ziemlich be-
schränkte Anzahl von Elementen, die allerdings
durch leichte Variation, Änderung ihrer Stellung
zur Längsachse des Strumpfes, durch ihre Größen-
verhältnisse und besonders durch ihre verschiedenen
Farben den Eindruck äußersten Reichtums der
Zeichnung Hervorrufen. Abgesehen von den aller-
elementarsten Ziermotiven, wie Drei- und Vier-
ecken, schrägen oder senkrechten Strichen, erschöpfen
die auf beigelegter Tafel gegebenen Zeichnungen
so ziemlich den ganzen Motivschatz unserer 84 Num-
mern umfassenden Sammlung?).

Uber die Muster sagt v. Schultz (S. 4(): „Die
überaus verschiedenartigen Muster werden alle

l) Nach Bobrinskoj (Gorcy verchovjev Pjandza, lltosfau
:90s) ist aber nur der obere Teil doppelt. Getragen werden
die Strümpfe Sommer und Winter, manchmal 2—5 Paare
übereinander. Darüber zieht inan Stiefel aus weichem Leder
an (muKIci). Gewöhnlich haben die Strümpfe oben einen Zug,
der es erlaubt, sie am Beine festzubinden.
s) Besonders häufig ist das Swastikazeichen. Die Tadschik
nennen es samsoüi und behaupten, es habe als Modell eine
Zeichnung gedient, die sich unter der Rinde eines bestimmten
Baumes befinde (Bobrinskoj, Qnrcy etc., S. 85 mit
weiterer Literatur).

aus dem Gedächtnis gestrickt und vererbeil sich
von Generation zu Generation. Zn seinem einen
Werk (Gorcy etc.) sagt Bobrinskoj S. 85, man
ahme auch die Muster bunter Kattune nach, in
dem andern Werke (Onmment etc. S. \7/\8)
teilt er über die Verbreitung dieser Strümpfe
einiges Interessante mit: „Die Verfertigung der
Strüinpfe ist weit verbreitet in den Bergen im
Süden und Südosten von Darwas: in Schugnan,
Badakschan und Tschitral. Ls scheint sogar, daß
die Kunst, solche Strümpfe zu stricken, überhaupt
aus den beiden letzten Ländern stammt. Die besten
Exemplare wurden im südöstlichei: Darwas er-
worben, im Tale des wantsch, d. h. in der Nähe
des Übergangs über den pändsch, der Nord-
darwas mit Süddarwas und den Bergpfaden ver-
bindet, die nach Badakschai: und Schugnan führen.
Je weiter nach Norden in Darwas, desto schlechter
die Strümpfe und desto einförmiger ihr Ornament.
Zn den Bergen nördlich von Darwas, in Karategin
und den Sarafschaner Bergen, werden keine
Strümpfe gestrickt, und wenn manchmal (was
öfter in Karategin geschah) Eingeborene welche
trugen, so waren es immer solche von Darwaser
Arbeit. Die Darwaser sagten uns beim verkauf
von Strümpfen immer, aus welcher Gegend diese
stammten; es erwies sich, daß einige aus Schugnan
und Badakschan kamen; diejenigen aber, die die
Darwaser am meistei: schätzten, warei: nach ihren
Worten nach Tschitralmufteri: gearbeitet." Olufsen
sagt S. 65-6, die Muster wären nach Provinzei:
verschieden, er gibt aber nichts näheres darüber.
Das pamirgebiet gehört zu den in ethnologischer
Beziehung ziemlich stiefmütterlich behandelten Ge-
genden. Aus politischen Gründen sind der Pamir
und die angrenzendei: Gebiete Afghanistan, Ka-
firistan, Dardistan, Kohiftan, Tschitral sehr schwer
oder ganz unzugänglich, und wir müssen daher
jede Erwerbung aus diesen Ländern um so höher
einschätzen.

Internationale Musstellung für öuchgewerbe und Graphik
in Leipzig

von Stephan Steinlein, München

Zu bedenken an all diesen Vorgängen, von der
Herstellung der „Blockbücher" an bis zu Gutenbergs
umwälzender Erfindung des Buchdruckes und der
Heranziehung des Holzschnittes zur Schmückung
und Zllustration der neuen Werke der Presse,
bleibt vor allem immer wieder das höchst bedeut-

same, entscheidende Zusammenwirken der Tradi-
tionei: und Konventionen, wie Gutenberg und
später noch Fust-Schöffer auch andere Drucker noch
für die Gestaltung der Seite und die Formen ihrer
Typen sich immer wieder an die hochentfalteten
Werke der Schreibkunst hielten und halten konnten,

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