Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 65.1914-1915

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Hans Lindl

Leiste

/Ute UN- neue Rriegsmeöaillen

von vr. Max Sernhart

Nicht sicher und freudig gleitet in dieser Zeit die
Freude, wenn sie von Dingen sprechen soll, die
mit dem Kriege nichts zu schaffen haben, ja wie
als unstatthaftes Friedensspiel, abseits der blutigen
Stätten empfunden wird, wer jetzt mit Kunst,
überhaupt mit der pflege rein geistiger werte sich
befassen will oder befassen muß, hat es immer noch
nötig, sich vor Augen zu halten, daß doch all die
Ströme Blutes nur darum fließen, um den Be-
stand idealer Güter, wie nationale Freiheit und
Selbständigkeit es sind, zu schützen. Man kämpft
nur um des Friedens und seiner Güter willen.
Mag die einseitige Eingabe an künstlerische Fragen
und Aufgaben — so hat Plato schon gewarnt —
allmählich die herbe Männlichkeit eines Volkes,
die nur in der Tat nach außen sich kräftig erhält,
mit Keimen der Entartung bedrohen, so mag um-
gekehrt in Tagen, wo die ganze Tatkraft der Nation
auf die blutige Verteidigung ihrer bloßen Existenz
gestellt ist, der Gedanke an die friedlichen Güter
der Bildung uns versichern, daß es über dem trüben
Wirbel der Ereignisse eine beharrende Welt des
Geistes gibt. Ja, es zeugt von der erstaunlichen
Frische eines Volkes, wenn auch in heillosen Kriegs-
zeiten das Leben in den Werkstätten der künstleri-
schen Arbeiten nicht erstirbt, vielmehr weiterblüht,
wir sehen es mit Freude und Befriedigung, daß
inmitten politischer Umwälzungen noch genug
ruhiger Sinn übrig bleibt, um die schweren Er-
eignisse in künstlerischer Form zu verewigen.
Man kann es für ein Gleichnis nehmen, daß wir
um dieselbe Stunde, wo wir eherne Geschütze
gießen, eherne Stücke mit dem Stempel unserer
Siege prägen.

Daß die eilfertige Technik der Photographen der
Geschehnisse sich im Nu bemächtigt, um das Gleich-
gültige wie das Denkwürdige den Augen vorzu-
rücken, die nicht als Zeugen zugegen waren, ist
weiter nicht verwunderlich: Sie kommt dem primi-
tivsten verlangen der Sinne entgegen. Ungleich
höher steht das Interesse, das am rein künstlerischen
Echo der bewegten Zeit Gefallen findet. Die
Leser dieser Zeitschrift werden den vom Kriege
eingegebenen Erzeugnissen der Medaillenkunst einen
teilnehmenden Blick nicht versagen und mit Be-
friedigung wahrnehmen, daß ihre neuerliche Blüte
den starken Stürmen trotzt, welcher Zweig der
Kunst wäre auch geeigneter, die flüchtigen Er-
eignisse in die Sphäre des Dauernden zu erheben!
Mehr als das Gemälde hat die Medaille mit ihrem
Charakter der peremität die Fähigkeit, große Dinge
mit kleinen Mitteln ins Gedächtnis zu schmieden.
Der verwirrenden Fülle des Lebens, das sich im
Raume abspielt, entnimmt sie ein weniges von
symbolischer Kraft und weihe und verkündigt
dieses Leben, das sie seiner beklemmenden Wirklich-
keit entkleidet, in der Sprache des Monumentalen.
Ihrem Geiste gerade entspricht es, der Dolmetsch
einer wuchtigen Zeit zu werden und in der Knapp-
heit ihrer metallischen Form eiserne Taten zu
buchen.

Erst seit dem J6. Jahrhundert wird uns von den
großen Kriegen in Medaillen erzählt. In der Ent-
stehungs- und Blütezeit der Medaille, im t5. und
Jahrhundert, wurde in den hauptsächlichsten
Heimstätten dieses Zweiges der Kleinkunst die
Porträtmedaille gepflegt. Die Vorderseite trug
meistenteils das Bildnis eines Fürsten oder eines

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