Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 65.1914-1915

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handwerklichen Könnens noch völlig, wäre die
Erfindung Gutenbergs uin jene Zeit erst erfolgt,
zeigte auch sie gleich andern Neuerungen, wie die
historische Ausstellung der Lithographie auf der
Ausstellung es deutlich werden ließ, das Signum
des tastenden, primitiven, ästhetisch Geringwertigen
auf ihrem Wege. Die Hohe der Schreibkunst, deren
besten Werken es Gutenberg gleichtun mußte und
konnte, um sich mit seiner Erfindung neben ihr zu
behaupten, gab ihm die reifen Ausdrucksmittel zu

Krieg unö Kunstgewerbe

Mehr als Gewerbe und Industrie, denen durch die
überaus mannigfachen Bedürfnisse der modernen
Riesenheere zum Teil sogar gesteigerte Tätigkeit
und Einnahme während des Krieges geschaffen
wurde, leiden die Künste im weitesten Sinne unter
den verminderten Lrwerbsmoglichkeiten, ja es griffe
wohl hier bald da und dort Not und Mangel
Platz, wenn nicht der Staat und die Gemeinde
ihrer edlen Aufgabe, durch öffentliche Aufträge den
Künstlern über die schweren Kriegszeiten hinweg-
zuhelfen, gerecht würden.

Dies alte Wort inter arma silent musae darf heut-
zutage in dem so gesteigerten Existenzkämpfe nur
mehr beschränkt Geltung beanspruchen, das trifft
ganz besonders auf das Kunstgewerbe zu, wo sich
auch für den einzelnen eine Reihe von Gebieten
ergibt, in denen sich dem werktätigen Künstler
gerade jetzt Aufträge erschließen, die vom Publikum
nur in weitestem Umfange zu Nutz und Frommen
der Schaffenden erfaßt und auch tatsächlich erteilt
werden mögen.

Dies vorausgeschickt, gewinnt ein Artikel vom
Geistl. Rat und Stiftskanonikus Staudhamer in
München im Pionier, Monatsblätter für christliche
Kunst, Oktoberheft Nr. \, erhöhte Bedeutung, in-
foferne hier meines Wissens zum erstenmal in
ungemein übersichtlicher weise Richtlinien ge-
geben sind, wie sich in dieser tiefernsten Zeit des
Krieges, sowie auch noch lange danach in allen
Gebieten der Kunst und des Kunstgewerbes tat-
sächlich reichliche Gelegenheit bieten, den Melden
des Krieges und ihren Ruhmestaten im Spiegel-
bild des Kunstgewerbes zu verherrlichen und so
im dankbaren Herzen der Nation und des Vater-
landes für alle Zeiten ein Denkmal zu setzen.

Die vielen erhaltenen Werke unserer Väter geben
Zeugnis, daß man stets bestrebt war, große und
schone Taten der Erinnerung zu erhalten.

seinem völlig neuen Werke. Kaum irgendwo tritt
der hohe wert einer großen Tradition so klar als be-
stimmend zutage, wie an den Erzeugnissen des ersten
Buchdrucks, dessen zeitlich in der Folge nächste Schöp-
fungen rasch verfallend an die künstlerische Höhe
ihrer ersten Schöpfungen später kaum mehr gemah-
nen. Die Teile der internationalen Ausstellungen
boten darüber im einzelnen viel zu sagen, wovon
indes das Beste und Belehrendste doch ohne bild-
liche Belege niemals annähernd klar zu machen ist.

Da unser Vaterland einen solchen Kampf, wie wir
ihn gegenwärtig zu bestehen haben, niemals durch-
zukämpfen hatte, ist die Gelegenheit, Heldenmut
zu feiern, eine viel größere.

Doch mochte ich noch eine Kunst eingeschaltet wissen,
und zwar die der Glasmalerei, damit der ausge-
zeichnete Artikel komplett ist.

Auch für diese konnte es ein sehr schönes Feld der
Tätigkeit geben, nicht nur in Gotteshäusern, son-
dern auch in Staatsbauten und wohnräumen, so
daß auch in letzteren die Erinnerung an die große
Zeit fortleben konnte.

In Kirchen, wo jetzt besonders ganz lichte Ver-
glasung verlangt wird, könnten kleine und
größere Glasmalereien in Art von Epitaphien
eingesetzt werden, und das Gewünschte zum
Ausdruck kommen, wo sich die Verhältnisse eig-
nen, könnten auch gemalte Fenster Verwendung
finden.

In Profanbauten und wohnräumen nach Art
der Schweizerscheiben; es würde sich je nach
Ort, Raum und Stil ein ausgiebiges Feld
zum Fensterschmuck ergeben, nur müßte er ge-
schmackvoll gestaltet sein, und einer, wenn
auch einfacher Monumentalität nicht ganz ent-
behren.

Auf diese weise wäre reichlich Gelegenheit, der
schon seit langem schwer darniederliegenden Glas-
malerei einigermaßen wieder aufzuhelfen, ja es
ergäbe sich vielleicht gerade für diesen Zweig des
Kunstgewerbes ein in Friedenszeiten weniger üb-
lich gewesene und darum mehr als Neuheit um
so erwünschterer Auftrag, dem gefallenen Helden
der Familie gerade in den Räumen seines Heimes
ein sanft und mild wirkendes, künstlerisches Lr-
innerungsmal zu schaffen.

Prof. Earl de BouchT
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