Steffen, ... [Editor]; Lolling, Habbo G. [Editor]
Karten von Mykenai (nebst einem Anhange Über die Kontoporeia und das mykenisch-korinthische Bergland) (Text): Erläuternder Text mit Übersichtskarte von Argolis — Berlin, 1884

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Die Ruinen des verfallenen Dorfes Sklaveika lassen Spuren kyklopischer Grundmauern erkennen.

Das Dorf Priphtani scheint seinem Brunnen nach zu urtheilen auf einem antiken Punkt erbaut
worden zu sein.

Neben dem Milioti-Pyrgos, bei dem nördlich von Ober-Phichtia gelegenen antiken Brunnen, sowie in
Nähe des südlich von Unter-Phichtia gelegenen Befestigungsthurmes und südöstlich von Priphtani, bei Punkt
75, befinden sich grofse cylindrische antike Blöcke mit beckenartiger Aushöhlung. Dieselben sind ent-
sprechend der Verwerthung, welche diese Steine gegenwärtig häufig bei Brunnenanlagen noch finden,
als Tränksteine bezeichnet worden. Einzelne derselben zeigen zapfenartige Ansätze in der Mitte des
Beckens und haben wahrscheinlich ehemals antiken Oelpressen angehört.

Das Heraion und seine Umgebung.

Die auf das Heraion-Gebiet bezüglichen topographischen Untersuchungen sind vorzugsweise auf
Grund der neuen Gesichtspunkte geführt worden, welche dem Aufnehmenden an Ort und Stelle durch
Herrn Dr. Lolling für die Ansetzung des Asterion und Eleutherion gegeben wurden.

Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass wir in den zahlreichen Mauertrümmern, welche sich
am Südfufse des Euboia-Berges zwischen dem Revma-tu-Kastru und dem Glykia-Bache befinden, das
Heraion der Alten zu suchen haben.

Die am Südwestrande der Kuppe 152 zu Tage tretende aus mächtigen kyklopischen Blöcken
aufgeschichtete Mauer g-ehörte weihrscheinlich dem Substructionsbau des alten Heraions an, — während
die sich südlich davon zwischen beiden Bächen ausdehnenden zahlreichen Mauerlinien als die Reste des
neueren Tempels betrachtet werden müssen.

1) Euboia, Akraia und Prosymna.

Eür die antike Topographie des Ileraion-Gebietes handelt es sich zunächst um die Feststellung
der Berge Euboia und Akraia und der „Prosymna" genannten Niederung. Pausanias (III 17,2) berichtet
mit Bezug" auf das Heraion: „Das Heilig-thum selbst liegt in einer Niederung der Euboia, denn den
dortigen Berg nennen sie Euboia, indem sie sagen, der Fluss Asterion habe drei Töchter gehabt: die
Euboia, die Prosymna und Akraia, und sie seien die Pflegerinnen der Hera gewesen; und von der Akraia
benennen sie den Berg dem Heraion gegenüber, von der Euboia die nächste Umgebung des Heilig-
thums." — Man hat im Anschluss an diese letzte Angabe des Pausanias die kleine Kuppe (152), in deren
Südrand sich die Reste des alten Heraions befinden: „Euboia", die kleine Felsenkuppe gegenüber (134),
also östlich davon „Akraia", und bald die kleinen Kuppen südlich, resp. südwestlich des Heraion, bald das
Niederung-sterrain unterhalb des Tempels „Prosymna" genannt.

Es muss zunächst hervorgehoben werden, dass neben so grofsartigen Bergformen, wie sie der
Prophet-Elias, die Szara, der heute „Evvia" (Euböa) von den Bauern benannte Berg, sowie der Elias
Berbatiotikos darstellen, so winzige Kuppen, wie die Heraion-Kuppe und die ihr östlich gegenüber-
liegende, welche sich nur 10 resp. 3 Meter über die Einsattlung erheben, vom Volksmunde schwerlich
die Bezeichnung „Berg-" erhalten konnten, am allerwenigsten aber von einem für die feineren Nuancen
in der Natur so unempfanglichen Beobachter wie Pausanias es war, die Benennung als Berg erfahren
haben' würden.

Pausanias sagt zu Anfang'c: „das Heiligthum liegt in einer Niederung der Euboia, denn den
dortigen Berg nennen sie Euboia." Daraus .geht klar hervor, dass der Berg, an dessen Niederung,
d. h. an dessen unterem Hange das Heraion liegt, Euboia genannt wurde. Es kann also keinem Zweifel
unterliegen, dass der heute wieder Euboia geheifsene, 532 Meter hohe Berg, an dessen Südhang auf einer
der unteren Terrassen sich die Trümmer des Heraion befinden, auch im Alterthume seinen heutzutage
wieder in Gebrauch gekommenen Namen führte.

Von den übrigen der nahe gelegenen Felsenberge unterscheidet sich die Euboia dadurch, dass
ihre Gipfelfläche nicht eine schmale, durch steiles Felsg-estein eingeengte unzugängliche Kammlinie bildet,
wie es z. B. bei den Elias-Bergen der Fall ist, sondern dass der Rücken des Berges plateauartig ab-
gedacht ist, und namentlich nach Nordosten hin in sanfteren Hängen verläuft. Die obere Bergfläche,
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