Steffen, ... [Editor]; Lolling, Habbo G. [Editor]
Karten von Mykenai (nebst einem Anhange Über die Kontoporeia und das mykenisch-korinthische Bergland) (Text): Erläuternder Text mit Übersichtskarte von Argolis — Berlin, 1884

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geschlossen. Die beiden anderen südöstlich davon bei Punkt 256,3 und 266,4 gelegenen Cisternen, deren
erstere ein Rechteck, deren letztere eine Ellipse im Durchschnitt zeigt, hatten nur schmale Eingangs-
öffnungen. Verschlussplatten für dieselben wurden nicht mehr vorgefunden.

In der untersten Burgterrasse befindet sich eine schachtförmig in den Felsen gearbeitete Cisterne
ohne Stuckbekleidung. Dieser Felsenbrunnen liegt zur Hälfte unterhalb einer kyklopischen Hausmauer.
Rinnenartige Felsvertiefungen führten das Regenwasser, welches auf die untere Terrasse herabflofs,
diesem Brunnen zu.

Die untere Terrasse lässt ferner verschiedene Wasserleitungsspuren erkennen. Dieselben scheinen
zum Theil nur zur Ableitung des Regenwassers gedient zu haben. An verschiedenen Stellen der Ring-
mauer, so an dem grofsen polygonalen Thurm der Südwestmauer, an dem Flankirungsthurm der Süd-
ostmauer, und nahe dem kleinen Nordthor, sind die Ausflussöffnungen solcher für die Abführung des
Regenwassers bestimmten Kanäle erkennbar.

Die Stadtmauer.

Von der Stadtmauer sind im Vergleich zu der Ringmauer der Akropolis nur spärliche Reste
vorhanden. Ihre Reconstruction stöfst daher an manchen Stellen auf Schwierigkeiten. Zweifellos ist der
Anschluss des östlichen Mauerarmes an die Akropolis. Entsprechend der verminderten Gefahr eines
Angriffes von der Schlucht des Chonia-Baches her konnte man sich hier mit schwächeren Profilen als
auf der wahrscheinlichen Angriffsfront begnügen. Die Mauer ist daher in diesem Anschlussstücke nur
schwach profilirt und aus kleinen Steinen aufgeschichtet gewesen. Indessen zeigte sich, wie bereits
erwähnt, bei diesem Mauerarme bereits bewusste Brechung- der Linie und thurmartiger Mauervorsprung
zum Zwecke der Flankirung. — Von diesem Anschlussarme ab verlief die Stadtmauer in annähernd
südlicher Richtung am unteren Hange; des Höhenrückens, ohne indessen den Rand des Chonia-Baches
zu berühren. Vereinzelte kyklopische Mauerreste, welche sich am Steilufer dieses Baches vorfinden,
gehörten einstmaligen Stützmauern an. - - Etwa 180 Meter nordöstlich des als Schatzhaus des Atreus
bekannten Kuppelgrabes empfängt die Stadtmauer von Westen her den gradlinigen Arm einer inneren
Abschnittsmauer, deren westlicher Arm bogenförmig nach Süden am oberen Rande einer Mulde verlief.

— Etwa 50 Meter südlich des Vereinigungspunktes beider Mauern hören die Spuren der Stadtmauer auf.
Es wird vermuthet, dass sie dem mittleren Hang-e der bereits erwähnten Mulde mit einer Ausbiegung
nach Westen folgend, den Anschluss an die im Osten des Atreus-Grabes befindliche grofse Stützmauer
nahm. Dieses Mauerstück ist ähnlich wie der Substructionsbau des alten Heraions aus besonders grofsen
Werkstücken unter Anwendung horizontaler Schichtung aufgebaut. Dieselbe würde als ein Theil der
Stadtmauer eine Art Flankirungsthurm g-ebildet haben.

In der Richtung- auf das Kuppelgrab ist von Südwesten her eine zweite innere Abschnittsmauer
geführt gewesen. Dieselbe schlofs an die Nordostecke des grofsen rechteckigen Gebäudes an, welches
südlich von Punkt 218 die schmale Fläche des Plateaus einnahm. Wahrscheinlich hat diese Mauer in
ihrem weiteren Verlauf sich einstmals nordwärts gewandt, um, dem Höhenrande folgend, westlich des
Atreus-Grabes vorüberführend, sich mit dem bogenförmigen Theile der zuerst genannten Abschnitts-
mauer zu vereinigen.

Südlich des Kuppelgrabes sind Reste der Stadtmauer mit Sicherheit nicht mehr zu erkennen.
Anzunehmen, dass die Mauer dem Steilrande des Chonia-Baches folgend bis zur grofsen kyklopischen
Brücke der Heraion-Strafse geführt gewesen sei, liegt keine Berechtigung vor, zumal in dieser Linie
keine Spuren nachweisbar sind. Dieselbe scheint vielmehr den fortificatorischen Anforderungen ent-
sprechend den Anschluss an den steilen Felsenhang genommen zu haben, welcher das schmale Plateau
im Osten begrenzt, und in nordsüdlicher Richtung bis zum Makry-Lithari, — einem isolirten Felsenkegel,

— verläuft. Bei diesem Felsen biegt die steile Hanglinie aus ihrer nordsüdlichen Richtung scharf nach
Osten ab, um nach wenigen Schritten sich abermals, mit einem scharfen Bruche dem Westrande des
Plateaus folgend, nach Norden zu wenden. — In dieser Linie scheint auch die Stadtmauer geführt
gewesen zu sein. —

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