Steffen, ... [Editor]; Lolling, Habbo G. [Editor]
Karten von Mykenai (nebst einem Anhange Über die Kontoporeia und das mykenisch-korinthische Bergland) (Text): Erläuternder Text mit Übersichtskarte von Argolis — Berlin, 1884

Page: 44
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gangspunkte beschriebene Bergweg ist ohne Zweifel der erste der beiden von Kleonai nach Argos
führenden Wege, welche Pausanias II. 15, 1 erwähnt, Wer auf diesem Wege zur Quellbefestigung unter
dem Nordfufse des Eliasberges (bei Punkt 402) gelangt war. konnte entweder den unteren der am West-
abhang des Berges hinführenden Wege benutzend über Mykenai oder von der Einsattlung des Marta-
berges direkt in die argei'sche Ebene hinabsteigen.

Der Lauf des eben beschriebenen Weges ist zum Theil an seinen Resten, zum Theil durch die
Terrainverhältnisse so genau vorgezeichnet, dass von einem Anschluss an die Kontoporeia, die über
Berbati führt, nicht die Rede sein kann. Es musste dieser Anschluss also durch die Fortsetzung der zweiten
Wegelinie gebildet werden, die ebenfalls von dem Kreuzungspunkt bei der Perseia ausgeht. Auf der
Strecke zwischen Mykenai und der Quelle sind die Spuren des nach der Stadt reichenden Arms sehr
zweifelhaft; man wird sich mit der blofsen Ebnung des Terrains begnügt haben. Der weitere Verlauf
dieses Weges ist jenseits des Kreuzungspunktes dagegen vollkommen sicher, sie überschritt die kyklo-
pische Brücke und wand sich dann zunächst um die Südseite des spitzigen Berges Agrilo-Vunaki herum.
Da dieser wegen seiner Form stark ins Auge fällt und an ihm das besterhaltene Stück liegt, haben wir
diesen zweiten Kunstweg kurzweg nach ihm benannt.

Erst einige Minuten jenseits der kyklopischen Brücke tritt die Strafse am Südabhange des
Agrilo-Vunaki deutlich wieder hervor. Hier sieht man südwärts hinab in den westlichen Theil des rings
von Bergen eingeschlossenen Thaies von Berbati, der vom untern Lauf des erwähnten westlichen
Asterionarmes durchzogen wird*). Unbequeme steile Fufssteige führen aus dem Thal zur Einsattlung
Murtesa zwischen Elias Berbatiotikos und Szara, zur Einsattlung Akoli zwischen Szara und Kutzojanni,
sowie zum Agrilo-Vunaki selbst hinan. Nachdem die alle diese Pfade überschauende Hochstrafse den
gröfsten Theil des Agrilo-Vunaki umkreist hat, biegt sie um den Winkel einer tiefen Ravinschlucht und
läuft an flacheren Hügelhängen weiter ostwärts; obgleich wir sie nur noch eine geraume Strecke,
nicht aber soweit als wohl möglich wäre, verfolgt haben, unterliegt es doch keinem Zweifel, dass
auch diese Strafse zu dem Arm des Asterion, und zwar seinem mittleren Lauf führt. Sie kann
weder nach Norden abgebogen haben, da sie dann mit dem erstbeschriebenen Wege zusammen-
getroffen, also unnütz gewesen wäre, noch nach Süden, da sie dann vom Agrilo-Vunaki direkt hinab
geführt sein müsste, muss also den Bach eine Strecke unterhalb Stephani oder beim Kolondero über-
schritten haben. Wir werden weiterhin sehen, dass durch diese Strafse eine Verbindung Mykenai's mit
der Kontoporeia hergestellt und sie also die direkteste Verbindung Mykenai's mit Tenea und Korinth war.

Ich kann mich jetzt dazu wenden, den Lauf der Kontoporeia nach meinen Aufzeichnungen genauer
darzustellen, als bislang geschehen war**).

Die Kontoporeia.

Ausdrücklich erwähnt wird die Kontoporeia nur bei Athen. II 42 (aus den Memoiren des Ptolemaios
Philadelphos) und Polyb. XVI 16; mit Recht aber hat man auch bei Xen. Hell. IV 4, 19 und Ages. II 17
denselben Weg erwähnt gefunden***). Aus Athenaios sehen wir, dass der Weg über einen Gebirgs-

*) Ueber dem rechten Ufer desselben erhebt sich bei vier zu Berbati gehörenden Mühlen (20 Minuten vom Eingang zur KHsura)
ein spitzer Vorsprung des Elias Berbatiotikos mit den Ruinen eines kleinen mittelalterlichen Kastells. Ich fand eine vierfache, den Nord-
rand der Gipfelfiäche umziehende, zum Theil wie es scheint mit Benutzung antiken Materials errichtete Mauer, während der etwas tiefer
liegende, wild zerklüftete Südrand wegen der darunter aufsteigenden Steilwände keiner weiteren Befestigung bedurfte. Besonders wegen
seiner Lage, dann auch wegen der hier sich findenden antiken Vasenscherben und anderer nicht weit davon gefundenen Alterthümer (z. B.
einer der weit zerstreuten cylindrischen Oelpressen, die so häufig in der Nähe antiker Ansiedlungcn, namentlich bei Brunnen vorkommen)
darf man annehmen, dass die Felsen bei den Mühlen auch im Alterthum auf seiner Gipfelfläche (dieselbe ist 100 Sehr, lang und 30 Sehr.
breit) eine den untern Lauf des Baches beherrschende Befestigung trug. Sie gehörte zu der Ortschaft, deren Ruinen bei Berbati liegen.
Zwölf Minuten westlich von den Mühlen, jenseits einer Oelbaumpflanzung, entspringt unter der Panagiakapelle eine starke Quelle, deren
Wasser durch die Äcker zum Bach hinabfliefst.

**) Curtius Pelop. II S. 513 und 589 A. jz vertritt die richtige Ansicht, hätte sich dafür aber nicht auf Leake und Boblaye
berufen sollen, die anderer Meinung sind.

***) Athenaios: IlioXs/ualog (fi 0 ßaadsvg iv IßdifAta vno/xyt]fj.äzmv ini Koyivöov nQodyovoC ifqoiv njxlv tSm r^g KovTonoQiag
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ntjogdoxiSi'rng, avrbg eft ).iyu nenatxiirat. Polybios tadelt den Zenon, der den Nabis über Scllasia nach Thalamai und an Pharai vorüber
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