Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 18.1925

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DIE ROMANTISCHE KUNSTANSCHAUUNG. 525

Also die romantische Kunst ist noch gar nicht diejenige, die an
Stelle der antiken treten soll, sie ist nur, wie die Menschheit bei Nietz-
sche, »ein Seil, gespannt über einen Abgrund«.

Das klingt bescheiden der klassischen Poesie gegenüber, und ist
es doch nicht. Denn die Romantik ist sich mit der Rolle, die sie sich
hier erteilt, vollkommen bewußt, daß sie selbst die Repräsentantin des
ewig pulsierenden, in keinem Moment stillstehenden Lebens ist. Wenn
ihr die letzte Vollendung fehlt, so wird sie auch niemals Gefahr laufen
wie die klassische Kunst, klassizistisch zu werden, das heißt, zu er-
starren.
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