Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 9.1914

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RAUMGESTALTUNG ALS WESEN D. ARCHITEKTONISCHEN SCHÖPFUNG. Q5

rische« Tendenz auch inmitten der architektonischen Raumgestaltung
charakterisieren dürfen J).

Bei diesem Einblick in den natürlichen Zusammenhang der archi-
tektonischen Schöpfung mit der Tastregion des menschlichen Körpers
und seinem motorischen Apparat mag es vorerst sein Bewenden haben.
Damit sind bereits die Grundlagen jeder weiteren Ausführung ins Ein-
zelne, wie der folgenden Kapitel über den Außenbau und den Städte-
bau, vorgezeichnet. Sie bieten nicht allein den Schlüssel zur ver-
gangenen Entwicklungsgeschichte der Architektur, sondern auch zum
lebendigen Schaffen der Gegenwart, das um so fruchtbarer ausfallen
wird, je frischer sich das Gefühl für diesen Zusammenhang mit dem
Menschenkörper erneuert.

') Ernst von Aster hat a. a. O., wie es scheint ohne Kenntnis meiner Schriften,
die Natur der perspektivischen Auffassung einer Flächenzeichnung im räumlichen
Sinne als allein dadurch bedingt nachgewiesen, daß wir eine Linie sukzessiv ab-
lesen, d. h. als Richtung von vorn nach hinten oder umgekehrt von hinten nach
vorn vollziehen. Damit ist ganz unabhängig, von völlig anderen Erwägungen aus
die Richtigkeit und Notwendigkeit meiner Lehre von der architektonischen Raum-
gestaltung bewiesen. Nur reicht eben die Beschränkung auf die Gesichtswahrneh-
mungen allein ohne Rücksicht auf ihre Weiterwirkung in die Tastregion nicht aus,
um bis zum Lebensprinzip der Raumbildung selber vorzudringen, oder auch nur die
perspektivische Auffassung einer planimetrischen Figur als räumliches Erlebnis zu
erklären.
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