Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 9.1914

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XL

Innere Nachahmung und Erinnerungsverklärung
auf musikalischem Gebiete.

Von

Richard Baerwald.

1. Methodik.

Die nachfolgenden Darlegungen benutzen Ergebnisse einer Enquete,
die im Herbst 1909 von der Berliner »Psychologischen Gesellschaft«
unter dem Titel »Die Psychologie des motorischen Menschen« ver-
breitet wurde und deren Fragen in einer Reihe philosophischer, medi-
zinischer und pädagogischer Zeitschriften, unter anderem auch in der
»Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft« zum Ab-
druck gelangten. Wir wollen zunächst diejenigen Teile des Frage-
bogens kennen lernen, die für uns von Interesse sein werden. Es
war dafür Sorge getragen worden, daß völlig unmusikalische Personen
sich nicht an der Beantwortung der betreffenden Fragen beteiligten,
oder daß ihre Antworten nicht verwertet wurden.

Aus dem Fragebogen der Enquete »Die Psychologie des motori-
schen Menschen«:

Frage 9: ... »B: Haben Sie sich manchmal darauf ertappt, daß Sie
Musik, die Sie gerade hörten, unwillkürlich mitsangen oder mitpfiffen,
oder sie wenigstens durch kleine Ausatmungsstöße im Rhythmus
der Melodie markierten? Antwort: a) Ja, häufig, b) Ja, aber selten.

c) Nein.«

»C: Neigen Sie dazu, zu gehörter Musik unwillkürlich den Takt
zu schlagen, sei es mit dem Fuß, der Hand, dem Finger, dem Kinn-
backen usw.? (Die Frage ist auch dann zu bejahen, wenn Sie sich
diese Eigenheit geflissentlich abgewöhnt haben sollten. Musiklehrer,
die sich die Taktiergewohnheit vielleicht erst beim Unterricht zugelegt
haben und sich nicht sicher entsinnen, ob sie sie schon vorher be-
sessen haben, lassen die Frage besser unbeantwortet.) Antwort: a) Ja,
häufig, b) Ja, so stark, daß es störend wirken kann, c) Ja, selten.

d) Ja, aber nur andeutungsweise, e) Nein.«

(In derselben Weise wurden auch bei den späteren Fragen die

Zeitschr. f. Ästhetik u. alle. Kunstwissenschaft. IX. 20
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