Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 9.1914

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XVI.

Das Komische und seine Stellung unter den
ästhetischen Gegenständen1).

Von

Paul Hofmann.

Von alters her hat das Phänomen des Komischen und des Lachens
die Aufmerksamkeit nachdenklicher Betrachter des Lebens auf sich
gezogen, und von Aristoteles und Cicero bis zu den vortrefflichen
Untersuchungen zeitgenössischer Denker sind zahlreiche Versuche
gemacht worden, das Wesen dieser seltsamen Erscheinung zu er-
fassen. Oft hat man dabei ausgesprochen, wie schwierig es sei, die
gemeinsame Wurzel all der verschiedenartigen Erlebnisse aufzudecken,
die wir unter dem Namen des Komischen doch gewiß mit Recht zu
einer Klasse zusammenfassen, ja es ist sogar gelegentlich von der
Unmöglichkeit dieses Unternehmens gesprochen worden.

Ein Blick auf die außerordentliche Verschiedenartigkeit der Formeln,
in denen verschiedene Beobachter das Wesen unserer Erscheinung
zu erfassen glaubten, scheint zunächst diese pessimistische Auffassung
zu bestätigen.

Es fehlt nicht an Stimmen, die das Komische zu einer Abart des
Schönen machen, von anderen aber wird es bald als ein Gegensatz
zum Schönen dem Häßlichen untergeordnet, bald wird es als das
Nichtige oder unendlich Kleine dem Erhabenen gegenübergestellt.
Von einigen wird weiter behauptet, daß der Verstand das Organ für
die Auffassung des Komischen sei, es wird auf die Verbindung von
Sinn und Unsinn oder Widersinn aufmerksam gemacht, die die komische

') Dieser Aufsatz ist ein nahezu unveränderter Abdruck meiner hei Gelegenheit
meiner Habilitation an der Berliner Universität gehaltenen Antrittsvorlesung. Da
die durch diesen Zweck bedingte Art der Abfassung eingehendere Literaturverwei-
sungen untunlich erscheinen läßt, möchte ich hier auf die Schriften hinweisen,
denen ich wesentliche Anregungen verdanke: Joh. Volkelt, System der Ästhetik 1,
S. 354 ff.; Theodor Lipps, Komik und Humor (erweiterte Überarbeitung der in den
Philosophischen Monatsheften Bd. 24 [1888], S. 385 beginnenden Reihe von Auf-
sätzen: Psychologie der Komik) und, besonders auch für die Auffassung des ästhe-
tischen Erlebnisses, Heymans: Zur Psychologie der Komik (Zeitschrift für Psycho-
logie Bd. 20, 1899) S. 164 ff. usw.

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