Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 27.1902

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H. TIIIERSCH, DIE EINZELFUNDE

Reliefs bedeckter Gefässe. Meist haben sie lineare Motive: ver-
tikale Riefeln, schlanke, schmale, gerippte Blätter, horizontale
Mäandersäume, Eierstäbe, Spiralmotive, Weinranken ; ferner
kämpfende Gladiatoren mit Rundschilden, tanzende Mänaden mit
Tympanon, springende Silene, im Hintergrund Bäume und Satyr-
masken auf runden Büchsen, endlich Bukranien zwischen gewun-
denen Säulen. Alles ist aus der Form gemacht, die Modellierung
aber sehr derb, der Thon grob gelb und rot
Noch gröber in der Technik, aber sehr merkwürdig durch
ihren reichen plastischen und bunt bemalten Schmuck sind
Fragmente eines grossen, wie es scheint, kraterartigen Gefäs-
ses, um dessen weiten Hals sechs Stützen als Vertikalhenkel
und in Form plastischer Figuren gestanden haben müssen. Den
Bauch des Gefässes bedeckte das Rankenwerk (grün und gelb)
eines grossen Weinstockes mit grossen schweren Trauben, da-
zwischen kleine springende Satyrn, sitzende Mänaden, einzelne
Masken. Dieser Schmuck ist in ziemlich starkem Relief aufge-
legt; was beim Verschmieren der Fugen verklebt worden war,
ist dann mit dem Modellierholz wieder herausgeholt worden.
Die genannten figürlichen Henkel um den Hals des Gefässes
sind nicht geformt, sondern frei, wenn auch mitunter recht flüch-
tig modelliert. Aber gerade hier zeigt sich auch die niedrige Stufe
des Künstlers: die Anatomie ist höchst mangelhaft, die Arme
sind fast immer zu kurz geworden, die Hände klauenartig roh
wiedergegeben. Nur die Vorderseite ist durchgebildet. Von den
gänzlich vernachlässigten Rückseiten gehen horizontale Verbin-
dungsstützen zum Hals des Gefässes hinüber. Der Charakter
dieser figürlichen Henkel ist wie der des Reliefschmuckes auf der
Gefässwandung selbst durchaus dionysisch. Die Fragmente erge-
ben zwei mit Epheulaub dicht umsponnene Baumstämme, dann
einen stehenden Jüngling in heroischer Nacktheit und mit um-
gehängtem Schwert, einen ins Zottelfell gehüllten Silen oder
Satyrn und zwei Mädchen in langer Theatergewandung mit ge-
fransten Säumen und tragischen Masken. Die eine hält ihre
Maske mit beiden Händen ruhig vor sich. Gehört der Kopf eines
jugendlichen, pausbackigen und reich bekränzten Satyrn zu dem
oben genannten Zottel - Torso, so darf man annehmen, dass der
ursprüngliche figürliche Schmuck aus eben den sechs beschrie-
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