Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 27.1902

Page: 183
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1902/0193
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
DIONYSOS KATHEGEMON

183

folgern, den römischen Kaisern geführt, die in manchen Bezie-
hungen einfach in die alten Verhältnisse eingetreten sind. Wir
sehen eine lange Entwickelungsreihe hinab. Am Anfang mag
auch hier der grosse Alexander als erster νέος Διόνυσος stehen,
dem bei Teos vom κοινόν των Ίώνων die Αλεξάνδρεια gefeiert
wurden, und auf den vielleicht in letzter Linie der Techniten-
verein von Teos zurückgeht1. Es folgen die pergamenischen
Könige. Unter den Römern spukt das dionysische Wesen zuerst
im Kopfe des Antonius, dann des Caligula. Den Beinamen
νέος Διόνυσος führen Traianus, Hadrianus, Antoninus im Titel
der Reichs- Synoclos der Künstler: ή ιερά σύνοδος των από τής
οικουμένης περί τον Διόνυσον και Αυτοκράτορα ■— — — —
Καίσαρα Σεβαστόν νέον Διόνυσον τεχνιτών. Unter Traianus scheint
dieser grosse' Verband gestiftet zu sein2, und unter Traianus
scheint sein Freund Quadratus den pergamenischen Dionysos-
tempel erneuert zu haben. Auch hier mag ein Zusammenhang
obwalten. Endlich zieht Caracalla — auch er wieder in beson-
deren Beziehungen zu den Techniten —- als Inkarnation des
Gottes in den Tempel ein. Ferner zeigen sich schon unter
Augustus Anklänge an den Königskult. Der Techniten-Verein
von Teos hatte einen Beamten, der Priester und Agonothet
des Königs zugleich war (C1G II 3068 A, 3070). Nun findet sich
in zwei pergamenischen Inschriften (II 384 und 475) ein Ago-
nothet der Adoptivsöhne des Augustus3. Im einen Falle ist er
zugleich Prytan und Priester des Augustus, im anderen Gymna-
siarch und Prytan und heisst hier genauer αγωνοθέτης των Σεβα-
στού παίδων τοΰ Καθηγεμόνος Διονύσου. Der Göttername kann
von παίδων abhängen oder als Apposition zu Σεβαστού gehö-
ren, wenn nicht nach παίδων ein (καί) einzuschieben ist. Jeden-
falls weist der Ausdruck auf einen Zusammenhang zwischen
Kaiser- und Dionysoskultus hin.
Schliesslich zeigt sich der Zusammenhang zwischen Königs-,
Kaiser- und Dionysoskult noch in einem anderen Punkte, der erst

1 Strabo S. 644. Archäol. Zeitung 1875, 26.
2 Poland De collegiis artificum 20; Ziebarth Griech. Vereinszvesen 88, 1.
3 Weihung des Gaius Caesar oben S. 96. Münzen des Gaius und Lucius Brit.
Mus., Catalogue of coins, Mysia S. 139.
loading ...