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Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 27.1902

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https://doi.org/10.11588/diglit.41308#0252

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242 FR. calvert und h. thiersch
eines grossen Molo, dessen Zug man an ruhigen Tagen noch
gut unter dem Wasser verfolgen kann. Er ist auf keiner Karte
eingezeichnet und scheint unbemerkt geblieben zu sein.
In der Nähe dieses Molo liegen die Reste einer kleinen
Ansiedelung. Wichtig in diesem Zusammenhang ist die grosse
antike Nekropole, die sich westlich davon am Strand und
südlich dahinter an den Hängen der Hügel hinaufzieht. Sie ist
unverhältnismässig viel grösser als die unbedeutende, rings um
Hissarlik liegende. Ich möchte daher vermuten, dass die liier
sich hauptsächlich hier an der Küste, bei dem Hafen ihrer
Stadt, begraben Hessen. Die Ausgedehntheit des Gräberfeldes
von Tavolia und der Reichtum der Grabbeigaben scheint mir
darauf hinzuführen.
Unter den hier vorkommenden Grabtypen stehen mono-
lithe Sarkophage aus weichem Kalkstein obenan. Dieser ist
am Ort gebrochen und kommt vielfach auch bei den römi-
schen Bauten von Ilion vor. Dann finden sich viereckige Fels-
ausschachtungen mit Steinplatteneindeckung, innen zuweilen
mit Stuck überzogen und bemalt. Die Pithoi — wie es scheint,
die ältesten Gräber — sind häufiger als die jüngeren Ziegelgrä-
ber, die aus schwach konkaven und gefalzten Platten zusam-
mengesetzt sind. Die mitgefundenen Schmucksachen gehören
der Zeit vom VI. Jahrhundert vor Christus bis zur römischen
Periode an. Unter den zahlreichen Münzen sind die meisten
griechische autonome Prägungen und solche aus der Kaiser-
zeit, besonders von Ilion. Römisches ist nicht so selten wie
Byzantinisches.
2. R h o i t e i o n.
An eben diese Stelle Tavolia setzen Barker Webb Osserva-
zioni intorno allo stato antico e presente ... S. 37 und Schlie-
mann Ilios 85, 121 die Stadt Rhoiteion. Ich gaube mit Unrecht.
Plinius n. h. V 127 giebt die Entfernung zwischen Dardanos
und Rhoiteion in gerader Linie auf 70 Stadien an. Nun steht
die Lage von Dardanos fest. Es ist die alte Stadt auf der
Höhe bei Kap Kepez-burnu. Misst man von dort aus 7 geo-
graphische Meilen, die nach Maclarens Rechnungsweise 70 Sta-
dien entsprechen, nach SW., so kommt man auf die Stelle der
 
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