Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 27.1902

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Ο. RÜBEN SOHN

Periode, in welcher die politischen Geschehnisse uns in Paros
und Thasos das Schauspiel einer g-leichmässig gegen Athen
gerichteten Politik, sowie eines gleichartigen Vorgehens Athens
gegen beide Inseln darbieten. Um dies näher auszuführen,
stelle ich hier der Übersichtlichkeit halber die Zeugnisse neben-
einander.
Thasos. Paros.

Mai 411. Einrichtung einer
Oligarchie durch Dieitrephes;
zwei Monate darauf Abfall vom
attischen Seebunde im Ver-
trauen auf die Hilfe Spartas
(Thuk. VIII 64) b

Um 411. Über die Einrich-
tung der Oligarchie, deren Be-
stehen sich aus Diod. XIII 47,8
ergiebt, ist keine Nachricht
erhalten. Gleichwohl gehören
die Parier vermutlich zu den
von Thuk. VIII 64 erwähnten
άλλοι πολλοί των υπηκόων, wel-
che die Erwartung der atheni-
schen Oligarchen, den Bund
durch eine Verfassungsände-
rung Zusammenhalten zu kön-
nen, täuschten.

1 Leider ist es bisher nicht gelungen die von Hicks im Journal of helle nie stu-
dies 1887, 401 ff. herausgegebene Urkunde aus Thasos mit Sicherheit zu deuten
und zu datieren. Trotz Szantos Ausführungen Athen. Mitt. 1890, 80 ff. wird man
am liebsten Hicks zustimmen, wenn er in ihr einen Beschluss der mit athenischer
Hilfe zur Herrschaft gelangten thasischen Oligarchen sieht. Die Annahme, dass
Beamte welche eine Oligarchie eingerichtet hatten, vor dem Volk einen
Eid abzulegen hatten : δρκον δέ όμόσαι πάντας ά|[ρχοντας τούς την] ολιγαρχίαν
καταστήσαντας κ|[οινηι εναντίον δ]ήμου, ον αν ή βοΜή συγγράψηι, wie Szanto
Ζ. 19 — 21 wiederherstellt, ist an sich bedenklich, ganz abgesehen von den
sprachlichen Schwierigkeiten der Ergänzung; dass der Relativsatz δν άν ή βουλή
συγγράψηι eine nähere Bestimmung zu δρκον bildet, soll dadurch nicht in
Zweifel gezogen werden. Es ist ein äusserst seltener Vorgang, dass ein Verfas-
sungsumsturz durch Beamte, also auf legalem Wege, vor sich geht. Deshalb
wird man fürs erste noch Hicks’ Deutung der Urkunde auf die Ereignisse von
411, die wir aus der oben angeführten Thukydidesstelle kennen, für die richtige
halten. Nun hebt Wilhelm mit Recht hervor, dass in Z. 21 die Einsetzung des
Namens Καλλίας, des athenischen Archonten von 411/0, Schwierigkeiten macht,
weil man bei der von Hicks angenommenen Zeilenlänge zu der ungewöhnlichen
Abkürzung ’ΑΌή(νησι) seine Zuflucht nehmen muss (Eranos Vindobonensis 242 A).
Eine erneute Untersuchung über die Inschrift wäre sehr zu wünschen. Red.
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