Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 27.1902

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Η. ν. PROTT

auf dem Halse sass, sondern vorgestreckt und zugleich nach
seiner rechten Seite gewendet war.
Wer der Dargestellte war, sagt die auf der runden Basis an-
gebrachte Inschrift:

Ίον Χρ[ΰ]σιππον
Άκρ ίσιος
Μίθρη.

I Ο Ν X Ρ // // vH ΤΤ ΤΤ Ο Ν
Α Κ Ρ 1 C I OC
*Λ I ρ ΐ—

Der bestimmte Artikel vor dem Namen des Geweihten macht
es unzweifelhaft, dass hier nicht ein beliebiger Chrysippos ge-
meint ist, sondern das berühmte Schulhaupt der Stoa, Chry-
sippos aus Soloi. Das Bildnis eines Philosophen einem Gotte
zu weihen ist nicht ungewöhnlich. Die von Silanion geschaffene
Statue Platons weihte ein Perser Mithridates den Musen in
der Akademie, eine Herme des Plutarchos in Chaironeia sein
Freund Philinos den Göttern und eine Statue des Chrysippos
selbst war von seinem Neffen Aristokreon geweiht h Auffallend
ist nur die Gottheit. Zwar ist nach dem in Z. 3 Plrhaltenen die
Oberfläche zerstört, aber die symmetrische Stellung der Buch-
staben zeigt, dass nichts fehlt, dass nur ΜΙΘΡΗ dagestanden
hat. Mithraskult ist in Griechenland sonst nur durch eine ein-
zige, im Peiraieus gefundene Inschrift bezeugt. Merkwürdig
genug, dass 'das zweite Zeugnis Mithraskult obendrein in Ver-
bindung mit stoischer Philosophie zeigt. Der Grund dafür liegt
wohl in den mancherlei Anklängen der Mithras-Mysterien an
die Lehren der Stoa1 2. Der Name des Stifters der Weihung ist
zwar sehr selten, bietet aber, soviel ich sehe, keine Möglichkeit,
auf dessen Herkunft zu schliessen.
Für die Ikonographie des Chrysippos giebt die Büste trotz
der Zerstörung immerhin einige Anhaltspunkte. Die Vermutung
Feas, Gerckes und Milchhöfers,3 dass in dem sogenannten
Poseidonios des Louvre mit der charakteristischen Haltung der

1 Diog. III 25. CIGSept I 3422. Preger Inscr. metricae S. 127 (Hermes 1900,
669 f.).
2 Cumont Textes et monuments I 237 und sonst, II 469.
3 Arch. Anzeiger 1890, 56 ff. Studien H. Brunn dargebracht 37 ff. Die übrige
Litteratur in Bernoullis Griech. Ikonographie II 154 ff-
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