Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 27.1902

Page: 350
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1902/0360
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
350

E. PREUNER

schrieben, an dessen Stelle ich mit ziemlicher Sicherheit auf
dem Abklatsche Ω zu lesen glaube. Dafür geben die neue
Abschrift und der Abklatsch Dragumis darin Recht, dass am
Schlüsse von V. 6 ναιετάω, nicht ναιετάων stand. Abschrift und
Abklatsch bestätigen ferner das erst "Αρμονία S. 464 nach
einer neuen Abschrift von Konstantinidis nachgetragene γονεΰ-
σιν έοίς in V. 7, wofür Dragumis έμοις forderte. Fand er hierin
eher den Beifall seines Gegners, so glaube ich doch mit die-
sem nicht,dass wir zu dieser Änderung gezwungen oder auch
nur berechtigt sind; s. oben zu Nr. 22, 11.
' Επίσης μετά τό τέλος του ελεγείου τό νεοοτερον άντίγραφον έχει
τάς λέξεις: Μόσχιον, χαϊρ ε. Ήτο προδήλως τό Μόσχιον προσ-
φιλής τις τω άποΑανόντι γυνή και πιθανώτατα ή μνηστή αΰτοΰ ’
bemerkt Konstantinidis S. 464 (vgl· S. 632). Nach Sursos Zeich-
nung steht die Grabschrift
ΜΟΣΧΙΟΝ XA1PE
auf einem anderen Steine, sodass jene mehr denn kühnen Fol-
gerungen in sich zusammenfallen. Ebenso ist es überflüssig, da
der Abklatsch ναιετάω sichert, auf den Streitpunkt einzugehen,
ob Nikarchos sich V. 6 als Genossen der Mysten auf Erden
oder derer in der Unterwelt bezeichne: Nikarchos wohnt im
Hades zusammen mit den μΰσται, weil er zu Lebzeiten zu ihnen
zählte (vgl. Dragumis S. 585 f.). Die Vermutung, dass Thyrreion
219/8 v. Chr. wohl für alle Zeiten zerstört worden sei, das Epi-
gramm also vor dieses Jahr falle, durfte sich Konstantinidis
nicht entschlüpfen lassen1. Nach dem durchgeführten Doris-
mus, Buchstabenformen und Orthographie wird man die In-
schrift dem II.—I. Jahrhundert v. Chr. zuweisen dürfen.
Nach dem allgemeinen Schriftcharakter, der aber bei Privat-
urkunden stets einen fragwürdigen Zeitmesser abgiebt, dürfte
die Reihe der vier hier besprochenen Epigramme von Thyr-

1 Dass Thyrreion auch nach der Gründung von Nikopolis 30 v. Chr. (vgl.
Oberhummer Akarnanien 204) nicht völlig verödete, erweist auch die Inschrift
CIGSepi III 490 mit ihren späten Buchstabenformen.
loading ...