Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 27.1902

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W. DÖRPFELD

mor verdeckt worden sind. Die so reparierten Wände erhielten,
wie noch constatierbar ist, einen vollen Überzug von feinem
rotem Marmorstuck, nur die Parastaden und gewiss auch die
jetzt fehlenden Säulen wurden aus neuen Marmorblöcken ohne
Stucküberzug erbaut. Da wir hiernach noch feststellen können,
wie der Bau aussah, als er von den Persern zerstört wurde und
wie er dann für die Zeit bis zum Neubaue des Perikies restau-
riert worden ist, so kann es auch nicht dem geringsten Zweifel
unterliegen, dass die ganz aus Marmor erbauten älteren Propy-
läen wirklich aus vorpersischer Zeit stammen. Da sie im Jahre
480 noch nicht ganz fertig waren, werden sie wahrscheinlich
unmittelbar vor 480 errichtet worden sein. Eine Bestätigung
hierfür und zugleich eine noch genauere Datierung liefert uns
der von Th. Wiegand bemerkte Umstand, dass zur Verklei-
dung der neben den Propyläen liegenden pelasgischen Mauer
damals Metopenplatten des alten Hekatotnpedon benutzt wor-
den sind, wie auch im Jahre 485 die bekannte Hekatompedon-
Inschrift {CIA IV 1, 18. 19) auf solche Metopenplatten geschrie-
ben worden ist. Also zwischen Marathon und Salamis sind die
älteren Propyläen ganz in Marmor erbaut worden. Den noch
aus Poros bestehenden Stufenbau des älteren Parthenon müs-
sen wir demnach in die Zeit vor dem Bau der älteren Propyläen,
also vor Marathon setzen und dürfen höchstens seinen marmor-
nen Oberbau derselben Zeit wie die Propyläen zuschreiben.
Die Ringhalle des alten Athena-Tempels gehört, darüber
besteht keine Meinungsverschiedenheit, der Zeit des Peisistra-
tos oder der Peisistratiden an. Das Material und die Technik
ihrer Fundamente und ihres Oberbaues sind dieselben wie am
älteren Dionysos - Eleuthereus Tempel in Athen, wie am älte-
ren Telesterion in Eleusis und an dem Tempel der Alkmaioni-
den in Delphi. Überall bestehen die Fundamente aus grossen
unregelmässigen Kalksteinen, die im Grundriss polygonal ge-
fügt sind ; regelmässige Porosquadern, wie sie den Unterbau
des älteren Parthenon bilden, kommen in ihren Fundamenten
noch nicht vor. Das Material des Oberbaues ist bei denselben
Bauten weicher Kalkstein, der sogenannte Poros. Nur bei dem
delphischen Tempel hatten die Alkmaioniden einen Teil der
Ringhalle aus Marmor hergestellt, und bei der Ringhalle des
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