Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 27.1902

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DIE ZEIT DES ÄLTEREN PARTHENON 41 i
führung des Baues in Marmor, kommen dann, wie wir oben
(S. 405) schon sahen, in erster Linie die Jahre nach Marathon
in Betracht, also die Zeit, in der auch die Propyläen der Akro-
polis in Marmor erbaut wurden. Und wenn ich auch für diese
Zeit eine Persönlichkeit nennen soll, der die Fortführung des
Tempelbaues zugeschrieben werden kann, so denke ich in er-
ster Linie an Aristeides, der nach Plutarch επιμελητής των δημο-
σίων προσόδων war und im Jahre 489/8, also unmittelbar nach
Marathon, das Archontat bekleidete. Als die Perser 483/2 ihre
Vorbereitungen zum Zuge gegen Europa trafen, wurde Aristei-
des ostrakisiert und Themistokles konnte nun mit vollen Kräf-
ten seinen Flottenplan durchführen und so die Niederlage der
Perser bei Salamis vorbereiten.
Neben dieser Datierung der beiden ersten Abschnitte des
Tempelbaues ist allerdings noch eine andere Ansetzung mög-
lich, auf die ich hinweisen muss, obwol sie mir weniger wahr-
scheinlich erscheint. Der Beginn des Tempelbaues könnte noch
in die Zeit des Hippias fallen und die Änderung des Poros-
tempels in einen Marmorbau würde dann wohl dem Kleisthe-
nes zugeschrieben werden müssen. Aber abgesehen davon,
dass für die Verwendung regelmässiger Porosquadern zu Funda-
menten bisher noch kein Beispiel aus der Tyrannenzeit ange-
führt werden kann, scheint es mir sehr unwahrscheinlich, dass
in der langen Zeit von Kleisthenes bis 480 so wenig am Bau
gearbeitet worden sein soll. Auch würden durch Hinaufschie-
ben des Baubeginnes die unter der ersten Tempelterrasse ge-
fundenen rotfigurigen Scherben noch älter werden müssen, als
es jetzt schon bei dem kleisthenischen Baubeginn der Fall ist
(vgl. oben S. 386). Schliesslich ist auch zu beachten, dass zu
den Säulen des älteren Parthenon ebenso wie zu den älteren
Propyläen schon pentelischer Marmor verwendet ist, während
der Marmor des Daches und Giebels des «alten Athena-Tem-
pels» grobkörnig ist und also wohl aus Paros stammt. Der
pentelische Marmor passt besser für die Zeit nach Marathon,
der parische für die Zeit des Kleisthenes.
Für die Fixierung des Baubeginnes darf endlich noch heran-
gezogen werden das Vorkommen der Bezeichnung αρχαίος νεώς
in einem Psephisma aus dem Jahre 506 (vgl. v. Wilamowitz
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