Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 23.1907

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1907

ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

Heft 2


res Haus zu unruhig, zudem durch die Schrägen für die Schlaf-
zimmer ungünstig.
Leider muß auch die künstlerisch reizvolle und bis auf
den großen Schornstein in der Gliederung einheitliche, sehr
malerische Gruppe von »Gebirgsluft« (Architekten Friedrich
und Georg Thelemann, Berlin), die für eine größere Häuser-


gruppe brillant wäre, hier bei der kleinen Aufgabe als ver-
fehlt bezeichnet werden.
Auch in »Joachim-Gerhard« hat der Verfasser, J. Reis-
hauer in Leipzig, den gegebenen Maßstab aus den Augen
gelassen, indem er den Vor-
bau der übrigens unter dem
Treppenpodest zu niedrigen
Halle zu reich gegenüber dem
Hauptgebäude behandelte,
und an das gebirgische Holz-
haus einen diesem ganz
fremden steinernen Turm an-
fügte. Die Treppenanlage ist
geschickt ins Wohnzimmer
hineingezogen und neben
dem Eingangeine besondere
Empfangsnische gewonnen,
dagegen die Halle zu klein
als Familiensitzplatz.
Der Entwurf »Harz-
landhaus« von G. Fr. Hane-
mann in Kassel endlich hat
im Publikum wegen seiner
reichen Gruppierung des



Äußern viel Anklang
gefunden. Daß seine
Ausführung im gege¬
benen Maßstab und
Preis undenkbar ist,
leuchtet ohne weiteres
ein. Die Halle ist sehr
eng, die Einschachte¬
lung der Kinderbetten
in Kojen hinter einem
unverhältnismäßig
großen Schrankzimmer
unverständlich.
Wollen wir dieEr-
gebnisse und Lehren
des Ausschreibens zum Schluß noch einmal kurz zusammen-

Entwurf »Harzlandhaus«. Architekt: Gustav
Fr. Hanemann in Kassel.


fassen, so ist immer wieder das Streben nach einfacher, na-

türlicher Sachlichkeit und der Verzicht auf die reichen Motive

des Großstadt-
villenbaues zu
betonen. Auf
diesem Wege
wird der Wett-
bewerb manche
Klärung und
Förderung be-
wirkt haben.
Möchten diese


Entwurf »Harzlandhaus«.


Architekt: Gustav
Fr. Hanemann in Kassel.

auch dem Publikum, für das die Häuschen bestimmt sind,
recht zum Bewußtsein kommen!


Bücherbesprechungen.
Das Formen und Modellieren. Illustrierte Anleitung zur selbständigen
Erlernung der Formerei mit Gips und Leim und des Modellierens in
Ton, Modelliererde, Wachs, Plastilin u. s. w. Von M. Mayr. 4. erweiterte
Auflage. München, Verlag der Kunstmaterialien- und Luxuspapierzeitung.
Preis 1,50 Mk.
Dreßlers Kunstjahrbuch. Ein Nachschlagebuch für deutsche bildende
und angewandte Kunst. Herausgegeben von Willy O. Dreßler, Maler-
architekt, Berlin. Leipzig, Verlag E. Haberland, 1906. Preis 6 Mk.
Die Anlage des Buches ist gut. Es verspricht bei sorgfältigem weiteren
Ausbau, besonders vielfachen Ergänzungen der jetzt noch unvollständigen
Personal- u. s. w. Verzeichnisse sich zu einem recht brauchbaren Nach-
schlagebuch auszuwachsen.
Heimische Bauweise für den Kreis Schwaben und Neuburg. (Schriften
des bayrischen Vereins für Volkskunst und Volkskunde, E. V. in
München, Nr. 2.) Beispiele einfacher Wohngebäude für die Kleinstadt
und das Land. Von Jos. Bühlineier, Architekt in Äschach bei Lindau.
München, Süddeutsche Verlagsanstalt G. m. b. H. 1906. Preis 1,20 Mk.
Es sind gute Beispiele bodenständiger schwäbischer Bauweise, die
hier in älteren Bauten und in Entwürfen Bühlmeiers vor Augen geführt
werden. Möge ihre eindringliche Mahnung zur Umkehr beherzigt werden!
Lehrbilder und Leitsätze für Baustoffkunde, auf dem Bau und in
den Werkstätten der Baustoffgewerbe beobachtet und für den Unterricht
in neuer Weise dargestellt und erläutert vom Architekten Ad. Henselin.
2. Auflage. 83 Seiten mit 40 Bildern. Berlin, PolytechnischeBuchhandlung
A. Seydel, 1906. Preis 2 Mk.

Entwurf »Zu Hause«. Architekt:
M. Schmit in Dortmund.


Entwurf »Zu Hause«.

Architekt:
M. Schmit in Dortmund.

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