Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 23.1907

Page: 27
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/architektonische_rundschau1907/0039
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
1907

ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

Heft 3


in München 1906.

Festbauten des XV. Deutschen Bundesschießens
Pschorrbräu.

Architekt: Professor Emanuel von Seidl
in München.

Beschreibung der Abbildungen.
Tafel 17. Festbauten des XV. Deut¬
schen Bundesschießens in München. Ar¬
chitekt: Professor Emanuel von Seidl in
München. Zum Artikel in der 1. Beilage.
Tafel 18 u. 19. Wohnhaus des Herrn
Chr. N. Lorenzen in Flensburg. Architekt:
Heinrich Lassen in Berlin.
Das an das Fabrikgebäude des Besitzers,
eine Kaffeerösterei, angebaute Wohnhaus sollte
als in allen Teilen bequemes und solides vor-
nehmes Bürgerhaus ohne Prunk und äußern Auf¬
putz errichtet werden. Für die Grundrißgestaltung
war maßgebend, daß zunächst alle Räume des
Hauses für die Familie des Besitzers dienen
sollten; zugleich wurde aber verlangt, daß das
Haus durch Aufbau weiterer Stockwerke mit einer
Wohnung in jedem Geschoß zum Miethause um-
gewandelt werden könnte. Dadurch war eine
freiere Grundrißgestaltung, Einbeziehung der
Treppen in die Wohnung u. s. w. ausgeschlossen.
Die Haupträume mußten alle in einem Geschoß
untergebracht werden.
Das Haus enthält jetzt im Erdgeschoß das
Kontor des Besitzers und eine Hausmeister¬
wohnung, im Obergeschoß die Wohn-, Schlaf- und Wirtschaftsräume und
im Dachgeschoß Fremden- und Mädchenzimmer, Waschküche, Plättstube
und einen großen Trockenboden. Die Straßenfronten sind mit Altwarthauer
Sandstein verblendet, die Hoffronten geputzt. Die Modelle für die Fassaden-
ornamente sind von Prof. Riegelmann, Charlottenburg, ausgeführt. Die
Ausstattung der Räume war eine besonders dankbare Aufgabe, da sämt-
liche Möbel mit zu entwerfen waren. Im Salon sind Türen, Paneele und
Möbel in Domingo Satinholz, im Wohnzimmer in Mahagoni, im Eßzimmer
in Rio-Polysander, im Schlafzimmer der Eltern, wie der Fußboden, in Teak-
holz ausgeführt, in der Diele in geräuchertem Eichenholz.
Für die übrigen Räume ist Kiefernholz verwendet, das in den Schlaf-
zimmern und Fluren weiß gestrichen und geschliffen wurde. Die Türen
der Wirtschaftsräume erhielten blauweißen Anstrich mit bunter Bemalung,
wie in den alten schleswig-holsteinischen Häusern. Die Tischlerarbeiten
sind teils von J. C. Pfaff und Kimbel & Friederichsen in Berlin ausgeführt,
teils von Flensburger Meistern. Die oberen Wandflächen sind in den
Wohnräumen mit Stoff bespannt, in den übrigen Räumen gestrichen. Nur
die Wände der Kinderschlafzimmer sind tapeziert.
Im Eingangsflur und Badezimmer sind die Wände mit Marmor, in

der Küche und den Wirtschaftsräumen mit weißen Fliesen bekleidet. Der
Fußboden der Haupträume besteht aus Parkett. Haupteingangshalle,
Treppenhaus, Küche, Speisekammer und Badezimmer haben Marmorfuß-
boden, die Diele und Wirtschaftsflure Fliesenbelag, alle übrigen Räume
Linoleumbelag erhalten.
Tafel 20. Drei Villen in Heidelberg. Architekten: Kumpf
& Wolf in Heidelberg.
1. Haus des Herrn E. Loevenich, Schloßbergstraße 12.
Die Qrundrißanlage war durch die Fundamente eines alten Gebäudes
bedingt. Material: Strebepfeiler und einzelne Sockelteile, sowie Haustein-
arbeit roter Neckarstein, weiß gefugt; Sockel grober hellgrauer Bewurf;
Erdgeschoß rauher weißer Verputz; zwischen Fachwerk glatter weißer
Verputz. Holzwerk Eichen, heilbraun lasiert; geschnitzte Gesimse und
Holzschnitzereien ebenso, mit Blau, Rot und Gold gefaßt. Schindelung:
gerissene Eichenschindeln, hellbraun lasiert. Klappläden Eichen, dunkel-
braun lasiert. Blumengalerieen und Fensterteilungen weiß gestrichen.
Dach: rote Biberschwänze. Baukosten rund 30000 Mk.


27
loading ...