Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 23.1907

Page: 84
DOI issue: DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/architektonische_rundschau1907/0096
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
1907

ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

Heft 10

monumentalen Turmbau, mit dem Berlage das Gebäude seiner
neuen Amsterdamer Börse ausgezeichnet hat Wie künstlerisch,
wie bedeutend wirkt die einfache Klarheit des wie von selbst
aufgewachsenen Turmes (vergl. Abb. auf S. 66, Jahrg. 1906).
Da es Tatsache geworden ist, daß unsre Zeit in unsern
Meistern die Fähigkeit besitzt, solche ihr ganz angehörenden
Werke zu schaffen, so können wir von solchen Türmen hoff-
nungsfreudig in die Zukunft schauen, die uns ein neues Er-
blühen reiner Baukunst bringen. Schon überschreitet der Fuß
die Schwelle der Zeit einer neuen künstlerischen Kultur. Gerade
jetzt wird an dem Unterbau des Turmes gemauert, den Olbrich
zur Erinnerung an die Hochzeit des kunstbegeisterten und die
heranwachsende neue Kunst eifrig fördernden Großherzogs
Ernst Ludwig von Hessen errichtet. Dieser hochgelegene Hoch-
zeitsturm wird auch ein Wahrzeichen sein der Vermählung des
künstlerischen Geistes mit der technischen und handwerklichen
Tüchtigkeit unsrer energievollen, vorwärts drängenden Zeit.
Literatur:
Boos, Geschichte der rheinischen Städtekultur. — Cori, Bau und
Einrichtung der deutschen Burgen im Mittelalter. — Essenwein, Atlas der
Architektur. — Gur litt, Geschichte des Barockstiles, des Rokoko und des
Klassizismus. — v. Hellwald, Kulturgeschichte, — Henne am Rhyn,
Kulturgeschichte des deutschen Volkes. —Jäger, Weltgeschichte. — Lux,
Volkswirtschaft des Talents. — Muthesius, Stilarchitektur und Baukunst.
— Schultz, Deutsches Leben im 14. und 15. Jahrhundert. — Stacke,
Deutsche Geschichte. — Sutter, Turmbuch.


Beschreibung der Abbildungen.
Tafel 73—76. Das neue Kurhaus zu Wiesbaden. Architekt:
Professor Dr. Er. von Thiersch in München.
Dazu Artikel in der 1. Beilage.
Tafel 77. St. Nikolauskirche und Münzerturm in Hall
i. Tirol. Aufnahmen von Professor Josef Schubauer in Salzburg.
Die St. Nikolaus-Pfarrkirche, auf unsrem Bilde links, war ur-
sprünglich eine Kapelle zu unserer lieben Frau, wurde 1281 von Bischof
Bruno von Brixen eingeweiht, bekam 1352 pfarrliche Rechte und wurde
1436 und 1452 durch die Bauleiter Math. Getzner und Hans Fieger ver-
größert. Der schöne Vorbau am Haupteingang (Portal) wurde 1490 von
Hans Fieger als Familiengrabstätte erbaut. Der Münzerturm, rechts,
wurde wahrscheinlich im 13. Jahrhundert mit der angebauten landesfürst-

Villa des Herrn Bankdirektor Schreib Architekt: Felix Lindhorst
in Charlottenburg. in Berlin-Halensee.


liehen Burg Hasegg zum Schutze der Saline erbaut, war noch unter Kaiser
Ferdinand I. Regierung mit Geschützen versehen und erhielt erst nach der
Übersiedlung der Münzstätte von Sperberegg nach Hasegg, 1567, den
Namen Münzerturm. Er trägt so manche Schußnarbe aus dem Jahre 1809.
Tafel 78. Villa des Herrn Bankdirektor Schreib in Char-
lottenburg. Architekt: Felix Lindhorst in Berlin-Halensee.
Die Grundrißanordnung war zum größten Teil bedingt durch alte Mauer-
reste, die man erhalten wollte, um die Baukosten nach Möglichkeit ein-
zuschränken. Im Erdgeschoß befinden sich die Gesellschaftsräume und
die Diele, im Obergeschoß die Schlaf- und Wohnzimmer des Besitzers.
Die Fassaden waren in Werkstein geplant, wurden aber in Putz ausgeführt.
Die Vorderräume im Erdgeschoß erhielten angetragene und gezogene Stuck-
decken mit Beleuchtungskörpern, die Wände Paneele und Seidenstoff-
bespannung, der Speisesaal Holzdecke mit Malerei. Das Dach ist mit
Biberschwänzen eingedeckt. Warmwasserheizung. Die Baukosten betrugen
400 Mk. für den Quadratmeter.
Tafel 79. Villa in Sulz-Stangau. Architekt: L.Schmidlm Wien.
Das Häuschen wird vom Besitzer, der auf dem gleichen Anwesen
noch eine zweite Villa besitzt, nur während der schönen Jahreszeit be-
wohnt. Das Äußere entspricht der ländlichen Umgebung. Bruchstein-Sockel,
rauher Putz, rotbraungebeiztes Holz, und das Dach mit gewöhnlichen alten
Ziegeln eingedeckt. Die reinen Baukosten stellten sich auf etwa 24000 Kr.
Tafel 80. Entwurf zu einem Weinrestaurant. Architekt:
Heinrich Wolf in Berlin.

Grabmal auf dem Pragfriedhof in Stuttgart. Architekten: Eisenlohr & Weigle, Oberbauräte in Stuttgart


84
loading ...