Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 23.1907

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1907 ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU Heft 4

Hauptausstellungsgebäude. Architekt: Professor Hermann Billing in Karlsruhe.
Deutsche Kunstausstellung in Köln 1906.


Die Architektur auf der Deutschen Kunstausstellung in Köln 1906.
Von Conrad Sutter.

ei der fortschreitenden Entwicklung des Ausstellungs-
wesens ist man dazu gekommen, auch die Architek-
tur als ausstellungsfähig zu behandeln. Wohl war ja
immer die Architektur das Notwendigste, um überhaupt eine
Ausstellung zu ermöglichen, denn man brauchte Gebäude, um
darin die Ausstellungswerke aufzunehmen, und man ließ dabei,
wenn die Mittel es erlaubten, der Phantasie des Architekten
weitesten Spielraum. Aber fast ausschließlich erschienen diese
Bauten nur als Mittel zum Zweck, als dekorative Hüllen, die
schon nach Art und Material als Provisorium und als vergäng-
lich gekennzeichnet waren.
Daß man die Architektur als Selbstzweck vorführt, ist eine
Tat, die zusammenfällt, oder, wohl besser gesagt, begründet ist
in dem Ringen nach einer, von der Stilarchitektur losgelösten,
eigenen, persönlichen, freien Formensprache unsrer Tage.
Solange man sich darauf beschränkte, ja wohl vielfach noch
beschränken muß, die Baukunst in Projekten auf dem Papier,
in der bildlichen Darstellung ausgeführter Bauten oder in Mo-
dellen vorzuführen, marschiert man gewissermaßen mit ge-
bundener Marschroute. Man kann dabei seine Kräfte nur an-
deutend vorführen, aber nicht entwickeln. Allerdings wird es
sich auch bei der neuen Methode immer nur um die Kraft-
entwicklung einzelner handeln können. Es wird sehr von der
Gunst der Verhältnisse abhängen, wer dazu gelangt, seine Kunst
in die Tat umsetzen zu können und ausgeführte Werke der
Baukunst auszustellen. Es wird mehr wie bei den Schwester-
künsten eine offene Frage bleiben, wie man ein Vereinspro-
gramm ähnlich dem des »Verbandes der Kunstfreunde in den
Ländern am Rhein« zu lösen habe, wo man sich zur vornehm-
sten Aufgabe gestellt hatte, wirkliche Talente zu fördern und
sie vor dem allzu harten Dornenweg des Künstlers zu bewahren.
Wenn man bedenkt, daß es gerade die künstlerische Kraft
des Talentes ist, die schöpferisch neue Werte hervorbringt, also
das Vermögen der Menschheit vermehrt, und dieser Tatsache
gegenüberstellt, daß es trotzdem nicht nur möglich, sondern
nötig ist, diese »Mehrer« des Allgemeinvermögens vor der Not
zu schützen, so wird man schweren Herzens und verzagend
vor dieser unüberwindlich erscheinenden Barrikade menschlicher
Begriffsverwirrung stehen. Kann man aber solche Zustände
verbessern, indem man nach rein subjektiver Abschätzung und
willkürlich Einzelne »aus dem großen Haufen« herausgreift, um

sie als die auserwählten »Herzöge« zu preisen? Solchermaßen
werden die Kunstfreunde zu Almosengebern, statt daß sie
Empfangende aus dem Borne der Kunst und Beschützer
dieses nie versagenden, lauteren Quells sein sollten, den sie
überall über unsre Lande hinzuleiten hätten, damit wir wieder
eine gesegnete Kultur bekommen.
Freilich! wie schon bei den Malern und Bildhauern die
Jury eine Ablehnung auch in die freundlichere Formel des
Platzmangels fassen kann, so wird bei den Architekten, sobald
die Errichtung von Bauwerken in Betracht kommt, tatsächlich
der Platzmangel und auch der Geldmangel für eine sehr be-
schränkte Zulassung von Teilnehmern ausschlaggebend sein
müssen. Es wäre daher vielleicht zu erwägen, ob nicht die Bau-
kunst dadurch gefördert werden könnte, daß — sagen wir ein-
mal im Vereinsgebiet der rheinischen Kunstfreunde — nach
vorhergegangener Umfrage, in einer bestimmten Stadt, oder in
einem enger begrenzten Bezirke, die Errichtung einer Anzahl
von Neubauten derart geschähe, daß dieselben in Verbindung
mit diesem Vereine resp. seinen Künstlern gewissermaßen als
Ausstellungswerke erbaut würden. Wie bei den Ausstellungen
der Künstlerkolonie in Darmstadt die Häuser zunächst der Aus-
stellung dienten und dann bewohnt wurden, so könnte man


Innenraum. (Der deutsche Saal.) Architekt: Professor Hermann
Deutsche Kunstausstellung in Köln 1906. Billing in Karlsruhe.


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