Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 23.1907

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1907

ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

Heft 4

Beschreibung der Abbildungen.
Tafel 25—27. Deutsche Kunstausstellung in Köln 1906.
Vorhof und Portal des Hauptausstellungsgebäudes. Architekt:
Professor Hermann Billing in Karlsruhe. — Der Frauen Rosen-
hof. Architekt: Professor J.M. Olbrich in Darmstadt. — Brunnen-
hof und Eingang zum Pavillon im Hauptausstellungsgebäude.
Architekt: Professor Bernhard Pankok in Stuttgart.
Zum Artikel auf Seite 29.

Oewerbebank in Ulm. Architekten: Eisenlohr & Weigle,
Oberbauräte in Stuttgart.


Tafel 28. Entwurf zu einem ländlichen Gasthause mit
Wirtschaftsgebäude. Aus dem Wettbewerb zur Erlangung von
Entwürfen für Bauern- und einfache Bürgerhäuser im Regierungs-
bezirk Minden. (Engere Wahl.) Architekt: W. Vorwerk, Ober-
lehrer an der Gewerbeschule in Hamburg.
Zum Artikel in der 2. Beilage.
Tafel 29 u. 30. Villa des Herrn Kommerzienrat Israel,
Bendlerstraße 38 in Berlin. Architekten: Hart & Lesser in Berlin.
Das Haus, für Herrn Kommerzienrat Hermann Israel im Tiergarten-
viertel erbaut, enthält im hohen Erdgeschoß die Repräsentationsräume:
Zimmer des Herrn und der Frau, Salon, Musik- und Speisezimmer und
geräumige Treppenhausdiele; im niedrigeren Obergeschoß die Schlafzim-
mer nebst Zubehör, zwei Fremdenzimmer und das Frühstückszimmer. Über
dem Speisesaal ist eine offene Terrasse angelegt, die vom Frühstückszimmer
aus zugänglich ist. Im obersten Halbgeschoß liegen weitere Fremden-
zimmer, die Küche mit Anrichte, die Waschküche und Schrankraum, Zimmer
für Wirtschafterin und Mädchen; im Untergeschoß das Billardzimmer mit
Nebenräumen, der Wein- und Wirtschaftskeller, Heizanlage, Pförtner-
wohnung, Dienerzimmer und ein Raum für den Motorwagen. Die innere
Ausstattung ist der ganzen Anlage entsprechend reich und vornehm; die
Teppiche sind für jedes Zimmer nach besonderem Entwurf in der Fabrik
des Besitzers ausgeführt. An der Ausführung waren beteiligt: Bildhauer
Prof. G. Riegelmann, Tischler E. Gossow, Kunstschlossermeister F. Stahl &
Sohn und Maler M. J. Bodenstein.

dem alten Grundstück kein einwandfreier, auf moderne Bedürfnisse zuge-
schnittener Bankbau herzustellen sei, und es entschloß sich in Würdigung
dieser Umstände der Verwaltungsrat, dem Gedanken an einen ander-
wärts zu errichtenden Neubau näher zu treten. Es kamen eine Reihe
von Plätzen in Vorschlag, von denen der jetzt bebaute Platz an der Ecke
der Frauen- und Heimstraße bei der Vergleichung sich als der vorteilhaf-
teste erwies. Störend war bei diesem Platze der Umstand, daß ein kleineres,
unlängst erbautes zweistöckiges Landhaus die bevorzugteste Stelle dieses
Platzes einnahm, so daß die Bank eigentlich im rechten Winkel um dieses
Grundstück hätte herumgebaut werden müssen. Da hierdurch die Anord-
nung des Grundrisses und die Einteilung der Geschäftsräume der Bank
nicht in der wünschenswerten Vollkommenheit hätten erfolgen können, und
außerdem der Neubau für alle Zeit an eine Nebenstraße und auf einen
Hinterplatz gedrängt worden wäre, machten die Architekten den Vorschlag,
die Villa Jack anzukaufen und nachher auf dem Gelände des Neubaus an
die Heimstraße zu verschieben. Die Verschiebung und eine gleichzeitig
notwendige Drehung des Gebäudes um 90° gelang vollständig. (Villa Jack,
siehe Tafel 32 rechts.) — Die ausgedehnten Geschäftsräume der Bank,
die auf eine Erweiterungsfähigkeit für die Dauer von 30—50 Jahren be-
rechnet wurden, waren im Erdgeschoß unterzubringen. In den zwei oberen
Stockwerken konnten je zwei große Wohnungen zu fünf und sieben Zimmern
mit reichlichen Nebenräumen angeordnet werden. Im Dachstock wurden
eine weitere vermietbare Wohnung, eine Dienerwohnung und die Kammern
der Mietwohnungen untergebracht. Das Untergeschoß enthält neben den
mit den Bankräumen in unmittelbarer Verbindung stehenden Safes- und
Archivräumen eine zweite Dienerwohnung, die Zentralheizung und die
übrigen Nebenräume der Wohnungen. —
Das ganze Erdgeschoß und ein Teil des Untergeschosses ist für die
Geschäftsräume der Bank ausgenutzt, die von allen vier Seiten Licht er-
halten und einen geräumigen Warteraum für das Publikum umschließen.
Das Erdgeschoß enthält außerdem noch einen Sitzungssaal für den Ver-
waltungsrat, geräumige Garderoben, eine Registratur und den feuerfesten
Tresor, dessen unterer Teil im Souterrain als Safesraum ausgebildet ist.
Zwei massive Treppen aus Kunststein vermitteln den Zugang zu den Woh-
nungen, die streng von den Bankräumen getrennt sind. Über konstruktive
Einzelheiten sei erwähnt, daß die Fundamente aus Beton mit Eiseneinlagen,
der Sockel der Hauptfassaden aus Treuchtlinger Muschelkalkstein hergestellt
sind. Die Fassaden sind mit silbergrauer, gestockter Terranova verputzt.
Die Gebälke des Erdgeschosses und des ersten Stocks sind aus Eisen mit
massiven Försterschen Decken, die höherliegenden Gebälke aus Holz kon-
struiert. Boden, Wände und Decke des Tresorbaus sind aus bestem Beton
mit Einlagen von gewundenen Stahlpanzerschienen ausgeführt. Die Flasch-
nerarbeiten sind in Kupfer ausgeführt, die Dächer mit roten Biberschwänzen
eingedeckt. Die Banklokale sind mit Stahlblechrollladen, die Wohnungs-
fenster mit Holzrollladen versehen. Sämtliche Räume werden durch eine
Niederdruckdampfheizung erwärmt. In den Zimmern der Wohnungen sind
außerdem Kamine zur Aufstellung von Öfen vorgesehen.
Die Ausstattung der Bankräume wie der Wohnungen ist in gediegener
Weise, aber mit Vermeidung luxuriösen Aufwands durchgeführt. Vorraum
und Wartehalle sind mit Marmormosaik belegt. Die Geschäftsräume haben
Linoleumbelag auf Gipsestrich, der Sitzungssaal Parkettfußboden erhalten.
Das Holzwerk der Bank ist Eiche, des Sprechzimmers Mahagoni, des
Direktionszimmers Esche, des Sitzungssaals Rüster, der Wohnungen ge-
beiztes Tannenholz. — Der figürliche Schmuck der Fassaden ist von Bild-
hauer Federlin in Ulm ausgeführt.
Der hervorragenden, auf drei Seiten freistehenden Lage entsprechend
wurde dem Hause eine malerische Gruppierung und eine bewegte Umriß-
linie gegeben. Der Schnittpunkt der zwei Hauptdächer wurde durch einen
kupfergedeckten Dachreiter betont. An der Frauen- und Heimstraße sind
Vorgärtchen mit schmiedeisernem Gitterabschluß vorgesehen.
Die Baukosten betrugen mit innerer Einrichtung 384000 Mk.

Tafel 31. Villa des Herrn
Fritz von Martini in St. Gallen.
Architekten: Rittmeyer & Eurrer in
Winterthur.
Das Haus steht ganz im Grünen
zwischen saftigen Wiesen, Obstbäumen
und Tannenwald. Die Aussicht auf Ge-
birge und Bodensee ist hier hervorragend
schön. Der Bau ist mit allem Komfort
und zahlreichen alten Möbeln ausgestattet.
Der Sockel besteht aus Nagelfluh, die
Flächen aus rauhverputztem Backstein-
gemäuer, die Architekturteile aus St. Marg-
rether Sandsteinen. Der Treppenturm ist
mit Kupfer, das Dach mit Biberschwänzen
gedeckt.
Tafel 32. Gewerbebank in
Ulm. Architekten: Eisenlohr &
Weigle, Oberbauräte in Stuttgart.
Im Auftrag des Verwaltungsrats der
Gewerbebank Ulm bearbeiteten die Archi-
tekten Eisenlohr & Weigle im Jahre 1902
mehrere Entwürfe für den Umbau des
alten Hauses der Bank in der Tauben-
gasse. Obgleich man sich alle Mühe gab,
hierbei die ungünstigen Lichtverhältnisse
der engen umgebenden Straßen zu ver-
bessern und den gesteigerten Raum-
ansprüchen der Bank zu genügen, kam
man doch zu der Überzeugung, daß auf

Oewerbebank in Ulm.
Kassenraum.


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Architekten: Eisenlohr & Weigle,
Oberbauräte in Stuttgart.
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