Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 23.1907

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1907

ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

Heft 5


zimmer ist durch eine Anrichte und
Aufzug mit der im Untergeschoß
liegenden Küche verbunden. Zwi-
schen Halle und Eingang liegt ein
kleiner Vorraum, an den sich Garde-
robe und Toilette anschließen. Im
ersten Obergeschoß sind die Schlaf-
räume und das Kinderzimmer, ein
Bad und die anstoßende Toilette, im
Dachgeschoß ein Fremden- und die
Dienstbotenzimmer untergebracht.
Die Fassaden zeigen gelbe Putz-
flächen und Umrahmungen der
Fenster in rotem Mainsandstein. Aus
gleichem Material ist der Schichten-
sockel hergestellt. Die Ornamente
sind mit grünblauen Tönen übermalt,
die sie umfassenden Profile vergol-
det. — In den kleinen Putzzwickeln
am Eingangstor der Einfriedigung
ist eine Verzierung in verschieden
buntgefärbtem Putz in Sgraffito-
technik hergestellt.

Einkehr Geiselgasteig bei München.
5.—8. Beleuchtungskörper
im Restaurationssaal.


Einkehr Geiselgasteig bei München. Architekten: Gebr. Rank
4. Ringlüster der offenen Halle. in München.


Tafel 39. Einkehr Geiselgasteig bei München. Archi-
tekten: Oebr. Rank in München.
Der große Gutshof Geiselgasteig gelangte im Jahre 1900 in den Besitz
der Heilmannschen Immobilien-Gesellschaft. Letztere trennte die Ökonomie-
anwesen von dem ganzen Besitze ab und beauftragte die Architekten Ge-


Einkehr Geiselgasteig bei München. Architekten: Gebr. Rank
9. Verkaufsstand vor der Wirtschaft. in München.
brüder Rank im Jahre 1902 mit dem Umbau derselben. Das frühere Bau-
meisterhaus als Winterwirtschaft blieb erhalten; die ehemalige, aus Kloster-
zeiten stammende Rinderstallung mit schönen Kreuzgewölben wurde in
den Sommerrestaurationssaal umgewandelt; der Heustadel, obiger Stallung
gegenüberliegend, blieb in seiner Dachkonstruktion vollständig erhalten.
Die Aufgabe der Architekten war es, durch Farbenschmuck und dekorative
Zutaten diesen Raum in eine offene Restaurationshalle umzuwandeln.
Zwischen beiden letztgenannten Bauten wurde die Küche mit Schenke als
neues Bauglied und als Abschluß des Hofes eingeschaltet. Vielleicht war
es gerade der Umstand, daß alle Bauteile vorhanden waren und ein ge-
schlossenes Ganze bilden, daß die Bauanlage einen gewissen Zug von
Originalität aufweist. Als Bauformen wurden, schon dem einfachen Cha-
rakter der vorhandenen Dachformen zulieb, die Formen der Biedermeier-
zeit angewendet, und all jene Liebenswürdigkeit und Trautheit, die jener


Zeit eigen war, findet sich hier
wieder. Schlicht und einfach, jedoch
farbenfreudig und gedankeninnig
zeigen sich uns die Vorbilder jener
Zeit. Sobald der kleine Hof durch ein
dichtes Blätterdach beschattet sein
wird, wird der Eindruck der Behag-
lichkeit und Gemütlichkeit wohl
noch wesentlich erhöht werden.
Tafel 40. Einfamilienhaus
für Linz. Architekt: HansWolfs-
gruber in Linz.
Der Entwurf ist mit einer Reihe
weiterer entstanden, um im Gegen-
satz zu den vorhandenen, recht
mangelhaften Bauten anregende Vor-
bilder zur modernen und künstleri-
schen Gestaltung von Einzelwohn-
häusern in einem geplanten Villen-
viertel in Linz zu geben, die für die
bescheidenen Mittel des kleineren
Bürger- und Beamtenstandes passen.

Architekten:
Gebr. Rank in München.


Einfamilienhaus für Linz. Architekt: Hans Wolfsgruber in Linz.
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